Wonach suchst du?

Ein roter Zug fährt an einem Rapsfeld vorbei. Im Hintergrund befinden sich Windräder.

Mit dem Zug an das nächste Urlaubsziel ~ der Weg ist das Ziel / © Deutsche Bahn

Mehr Mobilität, weniger CO2

Zukunftsfähiger Tourismus braucht nachhaltige Mobilität! Die entscheidende Frage lautet nicht: Wohin möchte ich reisen? Sondern: Wie komme ich ans Ziel? Und: Wie bin ich vor Ort mobil?

Tourismus braucht kreative Mobilitätsangebote

Die Klimabilanz einer Reise entscheidet sich nicht erst am Urlaubsort. Entscheidend für den CO2-Fußabdruck eures Urlaubs ist vor allem die An- und Abreise. Ebenso die Mobilität vor Ort verursacht das größte der Emissionen im Tourismussektor.

  • Nachhaltige Mobilität als Teil des Urlaubserlebnisses: Zum Beispiel Gästekarten mit integriertem ÖPNV geben Urlauber*innen direkt bei der Ankunft einen Zugang zu Bus und Bahn. Ausflüge starten bequem mit dem Nahverkehr statt mit dem Auto.
     
  • Radverkehr: Ist für nachhaltige touristische Mobilität wichtig. In ländlichen Regionen wird er attraktiv, wenn Infrastruktur, Beschilderung und Routing gut aufeinander abgestimmt sind. Die ADFC-Rad Reise Region Inn-Salzach zeigt, wie das geht.
     
  • Digitale Lösungen als Teil der Antwort: Digitale Plattformen und Apps erleichtern nachhaltige Mobilität, indem sie Wegeketten vom Bahnhof bis zur Unterkunft planbar und möglich machen. Frag Schwarzwald Marie und IOKI zeigen, wie gebündelte Informationen, einfache Buchung und sichtbare Alternativen den Umstieg erleichtern. 

Mobilität im Tourismus

Euer Urlaub beginnt nicht erst am Reiseziel, sondern schon mit der Frage, wie ihr dorthin kommt. Schnell mal eben in den Urlaub fliegen oder Tausende Kilometer mit dem Wohnmobil fahren – eine erhebliche Belastung für die Umwelt! 9 Prozent aller Treibhausgase weltweit gehen auf die Kappe des Tourismus. Zwar geben viele Menschen in Umfragen an, umweltbewusster reisen zu wollen. Aber Auto und Flugzeug dominieren weiterhin. Trotz Inflation, Kriegen und Krisen liegt Reisen ungebremst im Trend. Gleichzeitig spielen Bus und Bahn bei der Verkehrsmittelwahl bislang nur eine untergeordnete Rolle. Aber gerade die Mobilität ist ein zentraler Hebel für mehr Nachhaltigkeit im Tourismus. Ein weiterer Grund weg vom Pkw und hin zu Bus und Bahn im Tourismus: Aufgrund des hohen Pkw-Aufkommens stoßen gerade naturnahe und klein räumige Tourismusregionen an ihre Grenzen. Zugeparkte Strände, überfüllte Bergdörfer, Staus auf den Zufahrtsstraßen: Alltag für viele Tourismusorte, in denen die Aufenthaltsqualität leidet und gleichzeitig der Druck durch den Klimawandel. Lindau am Bodensee hat hier eine kreative Lösung gefunden: Autos bleiben auf den Parkplatz, der Shuttlebus fährt im 30-Minuten Takt ins Stadtzentrum. Um den Verkehr zu entlasten.

Overtourism und Verkehr: Wenn beliebte Reiseziele an ihre Grenzen stoßen

Einsamkeit, unzerstörte Natur, authentische Dörfer: sind beliebte Urlaubsziele. Gerade diese abgelegenen Orte sind jedoch oft nur unzureichend auf große Besucherströme vorbereitet. Sie sind attraktiv, weil es dort weder Autobahnen noch Flugplätze gibt. Aus Bequemlichkeit und Ungeduld, reisen viele Gäste daher mit dem Auto an, anstatt sich per Bahn und Regio-Bus Etappe für Etappe ans Ziel zu begeben. 

In der Hochsaison geraten Straßen, Parkplätze und Ortsgrenzen an ihre Belastungsgrenzen. Sobald die Wandersaison beginnt, ist Garmisch Patenkirchen rund herum überfüllt mit Autoschlangen. Das zieht sich über die gesamte Alpenregion. Auch Großstädte, die schon mit dem eigenem Verkehr überlastet sind, kämpfen enorm mit dem zusätzlichen Touristischen Verkehr. 

 

 

 

Mehr als ein Statussymbol

Hinzu kommt eine entscheidende psychologische Komponente: Gerade in Verbindung mit Urlaub steht das Auto immer noch für Freiheit, Status und Flexibilität. Die Bahn, die die klimafreundlichere Alternative ist, hängt beim Image immer noch hinterher. Das Gefühl von Freiheit können auch Bahnreisen vermitteln, wie das Interrail Ticket. Bahnreisen verbinden nicht nur Menschen, ebenso die Länder.

Intention-Behavior-Gap

Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen der Einstellung und dem tatsächlichen Verhalten – die sogenannte Intention-Behavior-Gap.

Zwar geben viele Reisende an, nachhaltig reisen zu wollen. Doch nur ein kleiner Teil entscheidet sich am Ende wirklich für klimafreundliche Optionen. Bei der konkreten Buchung spielen Umweltaspekte häufig eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind meist Komfort, Preis, Reisezeit und die einfache Verfügbarkeit eines Angebots. Wenn nachhaltige Mobilität alltagstauglich, bequem und sichtbar wird, steigt die Bereitschaft, sie zu nutzen. Dafür sind nicht nur bessere Angebote, sondern auch eine andere Kommunikation erforderlich. Nachhaltige Mobilität darf nicht als Verzicht wahrgenommen werden, sondern muss als komfortable und attraktive Lösung erfahrbar sein.

Was jetzt passieren muss

Umweltfreundliche Mobilität im Tourismus scheitert selten am Wissen über das Problem, sondern meist an der Umsetzung im Alltag. Solange das Auto die bequemste Option ist und klimafreundliche Alternativen lückenhaft, kompliziert oder zu wenig bekannt sind, wird sich nur wenig ändern.

Deshalb ist jetzt ein Zusammenspiel aus politischem Willen, infrastrukturellem Ausbau, intelligenter Vernetzung und guter Kommunikation gefragt. Die Politik muss klare Signale setzen und nachhaltige Mobilität konsequent fördern. Tourismusakteure müssen Mobilität als Teil ihres Angebots berücksichtigen. Und Verkehrsangebote müssen so gestaltet sein, dass Gäste nicht lange darüber nachdenken müssen.

Denn die beste zukunftsfähige Mobilität ist, die die einfach funktioniert.

Mia Proksch

Weitere Beispiele für Reisen ohne Auto:

Mehr Tipps für autofreies Reisen findet ihr hier. Wir haben Unterkünfte und Reiseziele zusammengestellt, die Urlaub ohne Auto aktiv mit gutem Service unterstützen. 

Unterfolgendem Link findet ihr noch mehr Tipps und Planungshilfen, wie ihr nachhaltig reisen könnt.

Praxisbeispiele, bei denen nachhaltige Mobilität fest etabliert ist:

  • ÖPNV first in der Sächsischen Schweiz zeigt: Wie wirksam ÖPNV First in der Praxis sein kann — Gästekarten, Broschüren, Aufsteller in Unterkünften und lokale Wanderkarten mit ÖPNV-Bezug:informieren Gäste genau dort, wo sie ihre Mobilitätsentscheidungen treffen
  • ADFC- Rad Reise Region „Inn-Salzach“: Ein Radwegenetzt in der Region Salzach mit zeitlichem Ablauf und Beschilderung
  • EMMI-Mobil in Bad Hindelang (Allgäu): On Demand Fahrdienst für die letzte und erste Meile — super für alle die Unterwegs in den Bergen sind oder einfache Fahrten zum Einkaufen machen: Virtuelle Haltestellen & kostenlose Nutzung für Gäste & Einheimische stärken die Mobilität vor Ort und machen das Auto oft überflüssig
  • Schwarzwald Marie: Eine App für alle Fragen — rund um den öffentlichen Nahverkehr und Mobilität im Schwarzwald

 

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