Viele Menschen wünschen sich, umweltbewusster zu reisen – doch bei der Buchung gewinnt oft das günstigste oder bequemste Angebot. Studien zeigen: Die Kluft zwischen nachhaltiger Haltung und tatsächlichem Verhalten ist groß. Diese Diskrepanz zwischen dem, was Menschen sagen, und dem, was sie tatsächlich tun, beschreibt der sogenannte „Say-Do Gap“.
Laut dem Bridging the Gap Report (WTTC & YouGov, 2025) bezeichnen sich über 60 Prozent der Befragten als umweltbewusst, doch nur rund 20 Prozent berücksichtigen Nachhaltigkeit bei ihren Reiseentscheidungen. Ein Muster, das auch andere Studien bestätigen – darunter der Bericht Nachhaltigkeit bei Urlaubsreisen 2024 des Umweltbundesamts. So geben zwei Drittel der Deutschen an, Nachhaltigkeit bei Reisen positiv gegenüberzustehen, aber nur bei 3 % der Urlaubsreisen (länger als fünf Tage) war Nachhaltigkeit das ausschlaggebende Buchungskriterium, und bei 17 % ein Aspekt von mehreren.
Warum Anspruch und Realität so weit auseinander liegen
- Preis und Bequemlichkeit haben Vorrang
Selbst engagierte Zielgruppen wie die „Hopeful Worriers“ (siehe rechte Spalte) aus der WTTC-Studie setzen Nachhaltigkeit erst an dritter Stelle nach Kosten und Qualität. Bei den skeptischeren Gruppen wie den Climate Change Agnostics ist sie praktisch bedeutungslos. Der finanzielle Aufwand und die vermeintlich geringere Auswahl nachhaltiger Angebote bremsen den guten Willen aus. - Fehlendes Vertrauen und unklare Informationen
Laut einer Studie von Trip.com wissen 43 % der Befragten nicht, was eine nachhaltige Reiseoption überhaupt bedeutet; 27 % empfinden Nachhaltigkeitslabels als zu unübersichtlich. Wenn Glaubwürdigkeit fehlt, fällt es schwer, bewusste Entscheidungen zu treffen. - Verantwortung wird bei anderen gesehen
Die große Mehrheit der Reisenden sieht die Hauptverantwortung für mehr Nachhaltigkeit bei den großen Unternehmen und der nationalen Regierung. Knapp drei Viertel fordern hier aktives Handeln. Individuen schreiben sich selbst zwar auch eine Rolle zu, erwarten aber vor allem von Institutionen, dass sie den Rahmen für nachhaltiges Verhalten schaffen. - Fehlender persönlicher Nutzen
Menschen handeln nachhaltiger, wenn sie den direkten Vorteil spüren – etwa Gesundheit, Komfort oder finanzielle Ersparnis. Bleibt Nachhaltigkeit moralisch, aber abstrakt, verliert sie an Überzeugungskraft.
Informationsquellen und Verhaltensänderungen
Die meisten Menschen beziehen ihr Wissen über Nachhaltigkeit aus klassischen Medien wie Fernsehen und Zeitungen. Besonders engagierte Gruppen suchen zusätzlich aktiv im Internet nach Informationen. Auffällig ist jedoch, dass ein Teil der Bevölkerung nach eigenen Angaben noch nie etwas zu diesem Thema wahrgenommen hat.
Trotz dieser Unterschiede zeigt die WTTC-Umfrage, dass Informationen durchaus wirken können: 43 Prozent der Befragten haben aufgrund von Nachhaltigkeitsberichterstattung ihr Verhalten geändert, die Mehrheit davon dauerhaft. Am aktivsten sind die Hopeful Worriers, von denen fast 70 Prozent anhaltende Veränderungen vorgenommen haben. Ganz anders die Climate Change Agnostics – sieben von zehn aus dieser Gruppe haben keinerlei Veränderungen vorgenommen.






