Edinburgh wird oft mit griechischen Städten verglichen und “Athen des Nordens” genannt. Das hat mit der architektonischen Ähnlichkeit historischer Gebäude, sowie der einst dort ansässigen schottischen akademischen Elite zu tun. Auch der Vulkanfels, auf dem Edinburgh Castle steht, wird aufgrund seiner touristischen Beliebtheit häufig mit der Akropolis verglichen. Neben dem bekannten Castle, das über der Stadt thront, dürfte vielen auch die Royal Mile ein Begriff sein. Spätestens nach dem Trauerzug für Queen Elizabeth II. machte diese oft als „Times Square Edinburghs“ bezeichnete Straße Schlagzeilen.
Wir wollen euch ein Schottland und eine Hauptstadt zeigen, die auch abseits dieser viel besuchten Attraktionen funktionieren.
Erster Stopp: Mary King’s Close
Als ersten Stopp empfehlen wir euch eine Attraktion, die eigentlich alles andere als eine Alternative ist, sondern zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Edinburghs gehört: Mary King’s Close. Unter der Royal Mile versteckt sich dieses Tor zur Vergangenheit und zum unterirdischen Edinburgh. Anhand der Erlebnisse ehemaliger Bewohner*innen dieses einst lebendigen Handelsplatzes lernt ihr die Geschichte der Stadt jedoch authentisch kennen.
Während der einstündigen Tour taucht ihr tief in die Vergangenheit und in die unterirdische Welt Edinburghs ein. Deshalb empfehlen wir euch, diese Tour gleich zu Beginn eures Städtetrips zu machen. So bekommt alles, was ihr im Laufe eures Urlaubs erlebt, einen neuen Kontext.
Zweiter Stopp: Dean Village
Die typische Mühlengemeinde aus dem 12. Jahrhundert besticht durch ihre malerische Architektur und das dörfliche Gefühl mitten in Schottlands Hauptstadt. Vom Zentrum aus ist sie in nur 20 Minuten zu Fuß erreichbar. Fachwerkhäuser und Kirchen mit historischen Erkern stehen sich hier am Water of Leith gegenüber.
Wie Zeitreisende spaziert ihr durch die engen Gassen oder am Water of Leith Walkway entlang. Der Audioguide zu diesem Wanderweg versorgt euch obendrein mit spannenden Informationen und historischen Funfacts, sodass ihr so richtig in eure Rolle als Zeitreisende schlüpfen könnt. Jeden Samstag von 10 bis 16 Uhr könnt ihr außerdem über den Stockbridge Market schlendern und euch unter Einheimische und andere Tourist*innen mischen.
Dritter Stopp: Royal Botanic Garden
Auf 70 Hektar erstreckt sich der Botanische Garten der Stadt. Hier findet ihr Ausstellungen, Botanic Lates – also Sommerfeste – und eine Bar mit Aussichtsdeck. Außerdem könnt ihr bei Touren und in Ausstellungen mehr über die wichtige Rolle der Biodiversität in unseren Ökosystemen erfahren und lernen, wie wir sie bewahren und schützen können.
Sogar einen Demonstrationsgarten gibt es hier, in dem ihr mit euren eigenen Händen in der Erde graben könnt, um herauszufinden, was es bedeutet, sein eigenes Essen anzubauen und zu ernten. Ihr müsst aber nicht selbst arbeiten: Ihr könnt auch den Bächen im Chinesischen Garten beim Fließen lauschen oder eure Blicke über die farbenfrohen Beete des Alpine House schweifen lassen.
Geöffnet ist der Botanische Garten täglich ab 10 Uhr. Von Februar bis Oktober schließt er seine Tore um 17 Uhr, im November und Januar bereits um 16 Uhr und im Dezember eine halbe Stunde früher. Der Eintritt ist außerdem kostenlos.
Vierter Stopp: Von der Erde in den Himmel am Calton Hill
In nur fünf Minuten seid ihr von der Neustadt aus am 103 Meter hohen Calton Hill, von dem aus ihr einen uneingeschränkten Blick über Edinburgh habt. Von hier aus erhielt die Stadt wohl auch ihren Spitznamen „Auld Reekie“, also „Old Smoky“, da sie während der Steinkohlezeit stets von einer Rauchwolke bedeckt war. Bis heute ist zum Glück nur der Name geblieben, nicht aber die Staubwolke.
Auch eine der charakteristischen griechische Nachbildungen findet sich hier: Das unvollendete National Monument, eine Replik des Parthenons, erinnert erneut an die Akropolis in Athen.
Fünfter Stopp: Alternativen zum Edinburgh Castle
Das auf einem inaktiven Vulkan erbaute Edinburgh Castle ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Deshalb lohnt es sich, stattdessen anderen Schlössern oder Burgen einen Besuch abzustatten – zum Beispiel dem Craigmillar Castle im Westen der Stadt. Das Schloss aus dem 14. Jahrhundert ist eines der besterhaltenen mittelalterlichen Schlösser und trägt viel schottische Geschichte in sich.
Auch das mystisch anmutende Lauriston Castle im Osten der Stadt ist eine Besichtigung wert. Das Tower House nimmt heute den Platz eines Mittelalterschlosses ein, das 1544 leider vollständig zerstört wurde. Besonders die Gärten solltet ihr euch hier nicht entgehen lassen.
Die schottische Hauptstadt nimmt es nicht nur mit Athen, sondern auch mit dem Vatikan auf: Die Mansfield Traquair Church wird wegen ihrer eindrucksvollen Wandgemälde auch als „Sixtinische Kapelle Edinburghs“ bezeichnet.
Sechster Stopp: Whisky-Tour
Anstelle der viel besuchten Scotch Whisky Experience empfehlen wir euch die Holyrood Distillery Tour. Dort werdet ihr in den Herstellungsprozess und die Geschichte des Whiskys in Schottland eingeweiht. Die Holyrood-Brennerei ist dafür bekannt, mit ungewöhnlichen Aromen zu experimentieren. Bei der Tour könnt ihr aus nächster Nähe erfahren, wie diese entstehen.
Siebter Stopp: Gleich an der Royal Mile
Auch wenn die Royal Mile die wohl bekannteste Straße Edinburghs ist, ist sie einen Abstecher wert. Mary King’s Close ist nämlich nicht die einzige historische Gasse, in die ihr einen Blick werfen solltet.
Nur ein paar Schritte von der Hauptstraße entfernt, findet ihr eine kleine Erholungsoase: Der Dunbar’s Close Garden, zu dem die gleichnamige Gasse führt, bietet allen eine ruhige Pause, die während ihrer Sightseeingtour kurz durchatmen möchten.
Auch die Scottish Poetry Library ist ein stiller Ort in der Nähe der Royal Mile, an dem ihr vorbeischauen solltet.
Achter Stopp: Dr. Neil’s Garden
Wenn ihr am Craigmillar Castle seid, solltet ihr auch im Örtchen Duddingston vorbeischauen und eine Runde um Duddingston Loch drehen. Dabei kommt ihr durch den liebevoll angelegten Dr. Neil’s Garden. Bei romantischer Sonnenuntergangsstimmung könnte man hier fast meinen, einem – ach ja, da war ja noch etwas – Einhorn zu begegnen.
Hier gibt’s tatsächlich Einhörner
Dass sich die Schott*innen nach wie vor gerne mit mystischen Kreaturen beschäftigen, zeigt die Legende um das Seeungeheuer Nessie. Aber was hat es mit den Einhörnern auf sich?
Viele historische Bauten in Schottland werden von Einhörnern geziert, zum Beispiel ein Torpfosten am Palace of Holyroodhouse oder das Torhaus der King’s Gallery am Palast. Außerdem ist das Einhorn Schottlands Nationaltier. Das ist auf die keltische Mythologie zurückzuführen, in der das Fabelwesen für Reinheit, Unschuld, Männlichkeit und Stärke stand und als das stärkste Tier galt. Deshalb befindet sich auch ein Einhorn auf Schottlands Wappen. Wer es noch verrückter mag, fährt am besten am 9. April in die schottische Hauptstadt – dann ist nämlich Tag des Einhorns!










