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Ein Foto einer Frau am Strand, die lacht

Judith ist Foraging-Instructor und gibt Wildpflanzen-Touren rund um Edinburgh. Im Interview erzählt sie, wie sie dazu kam und dass sie es liebt, Menschen zu füttern. / © Luanda Miller

Foraging in Schottland: Essbare Wildpflanzen in Edinburgh sammeln

von Maren Otto

Foraging-Expertin Judith Lamb verbindet in ihren Wildpflanzen-Touren Achtsamkeit, Genuss und Wissen über die Natur. Ein Gespräch über die wilden Kräuter, Pilze und Algen, die direkt vor der Haustüre wachsen.

Judith, du bist Foraging Instructor in Edinburgh. Wie würdest du beschreiben, was du machst?

Ich liebe es, Menschen zu füttern – und ihnen Dinge zu geben, die sie noch nie probiert haben. Überraschungen, die lecker sind und Spaß machen. Zum Beispiel Kiefernzapfenmarmelade, kandierte Winterpfifferlinge oder Schokoladentrüffel mit Algen. Das klingt vielleicht schräg, aber die Algen vertiefen den Karamell-Schokoladengeschmack – sie geben einfach mehr TiefeHier in Schottland nenne ich mich manchmal Wild-Food-Instructor oder Wild-Food-Specialist, je nach Anlass. Ich mache nicht nur Kräuter- und Pilzwanderungen, sondern auch Algenführungen, Outdoor-Koch-Events oder Mahlzeiten zu bestimmten Anlässen. Besonders wichtig ist mir, dass Essen und Ort zusammenpassen – ich koche immer etwas, das auf die Landschaft und den Zeitpunkt abgestimmt ist.

Wie laufen deine Wildpflanzen-Touren ab?

Meist beginne ich mit einem kleinen Willkommensgetränk, dann gehen wir für ca. drei Stunden raus in die Natur. Je nach Jahreszeit schauen wir uns etwa 30 verschiedene Arten an – Pflanzen, Meeresalgen oder Pilze. Wenn es eine kleine Gruppe ist, habe ich oft vorbereitetes Essen und Getränke im Korb dabei, sodass die Teilnehmer an Ort und Stelle probieren können. So sehen sie nicht nur die Pilze, Pflanzen und Algen, sondern können sie auch schmecken. Liebe geht durch den Magen – und das gilt auch für die Liebe zur Natur. Bei größeren Gruppen oder im Winter mache ich manchmal am Ende ein Picknick mit Lagerfeuer – mit heißen Gerichten, Raclettekäse, fermentierten Gemüsen oder eingelegten Pilzen. Wir sammeln gemeinsam die Zutaten, die sie später zu meinen Gerichten kochen können, und ich erkläre ihnen dabei alles, was sie wissen müssen. Mir ist sehr wichtig, dass ich meine Teilnehmer für Verwechslung sensibilisiere. Deswegen freue mich immer, wenn wir auch etwas Giftiges finden – so sehen sie gleich, womit sie es verwechseln könnten. 

Wie bist du überhaupt zum Foraging in Schottland gekommen?

Ich bin im Schwarzwald aufgewachsen, mein Vater war Zoologe. Wir waren ständig draußen und haben Pilze gesammelt. Das hat mich geprägt. Als ich mit 19 nach Amerika ausgewandert bin, habe ich dort Kunst auf Lehramt studiert und anschließend viele Jahre als Kunstlehrerin gearbeitet. Als meine Kinder kamen, wollte ich nicht, dass sie in den USA zur Schule gehen, denn ich wusste ja, wie das System funktioniert. Mein Ex-Mann bekam dann einen Job in Schottland, und so sind wir nach Edinburgh gezogen. Hier habe ich dann nicht direkt unterrichtet, sondern mit einer Bekannten eine deutsche Bäckerei gegründet. Dafür habe ich viel wild gesammelt – zum Beispiel Sanddorn an der Küste – und es hat sich nach den Jahren in den USA wie Heimkommen angefühlt. Vieles habe ich vom Sammeln früher wiedererkannt, mein Interesse für Algen kam hinzu und das ganze Wissen habe ich mir dann selbst angeeignet. Ich bin in Schottland geblieben, weil es einfach wunderschön ist. Berge, Küste, Wald, Wiesen – die Landschaft ist unglaublich vielfältig. Das ozeanische Klima sorgt dafür, dass hier das ganze Jahr über etwas wächst. Ich war so begeistert, dass ich immer allen von meinem Sammeln erzählen musste. Und so hat sich das dann ergeben, dass ich die Touren mache. 

Was ist inzwischen mit der Bäckerei?

Den Backladen führt heute meine Bekannte hauptberuflich weiter, ich arbeite dort nur noch nebenbei, weil ich inzwischen vor allem Foraging mache. Das ergänzt sich gut – im Frühling gibt’s zum Beispiel Bärlauchquiche im Laden, und für meine Touren backe ich selbst.

Du wohnst ja in Edinburgh – lässt sich Foraging denn überhaupt in einer Stadt machen?

Ja, ich mache viel in den lokalen Grünanlagen. Edinburgh hat viele grüne Orte, die meine Teilnehmer gut mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Oder aber sie kommen mit dem Fahrrad. Das finde ich wichtig, dass das gut angebunden ist. Generell mache ich meine Touren gerne an Stellen, zu denen ich mich richtig hingezogen fühle. Meine Algenkurse mache ich hauptsächlich etwas außerhalb der Stadt, ein Stück weiter östlich bei Yellowcraig Beach oder Seacliff Beach. Das ist nicht besonders weit von Edinburgh und der Weg lohnt sich für die wunderschöne Dünenlandschaft und das tolle Wasser. 

Was bedeutet dir das Sammeln und Kochen?

Den ganzen Tag draußen zu sein und sich so auf diese kleinen Wunder zu konzentrieren, ist für mich eine besondere Form von Achtsamkeit. Vielleicht gehen meine Teilnehmer deshalb auch immer richtig glücklich nach Hause.

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