Als ich aus dem Zug steige und die Treppen vom Bahngleis hochgehe, empfängt mich aufgeregtes Gebrüll. Ich drehe mich um und entdecke eine Achterbahn – direkt vor dem Ausgang des Hauptbahnhofs, mitten in Kopenhagen. Das Besondere ist hier nämlich, dass der Freizeitpark Tivoli nicht irgendwo am Stadtrand liegt, sondern mitten im Zentrum der dänischen Hauptstadt, und Freudengeschrei aus dem zweitältesten Vergnügungspark der Welt alle Fahrgäste empfängt. Auch wenn der Tivoli nicht mein Ziel ist, trägt er dennoch zu der energetisierenden und simpel-fröhlichen Wirkung, die Kopenhagen direkt bei meiner Ankunft auf mich hat, bei.
Obwohl die Stadt nach mir ruft, geht es für meine Reisebegleitung und mich erst einmal noch weiter: mit der S-Bahnlinie E nur 20 Minuten südlich die Küste am Øresund runter. Denn unser Ausgangspunkt für Ausflüge in Seeland, nach Kopenhagen und Malmö liegt an der Køgebucht. Fußläufig zum Sandstrand und zur nächsten S-Bahn-Haltestelle müssen wir uns nicht für Strandurlaub oder Städtetrip entscheiden, sondern genießen dank der guten ÖPNV-Anbindung das Beste aus beiden Welten.
Malerische Hafenstadt am Öresund: Køge
Der erste Ausflug muss allerdings noch etwas warten. So unkompliziert unsere Reise auch war, von unserem Startbahnhof Bonn haben wir dennoch 10 Stunden und 50 Minuten bis in unsere Unterkunft gebraucht und müssen uns erst mal von der Reise erholen. Wie gut, dass Heckenrosen- und Salzwasserduft uns neue Energie schenken, sodass wir gestärkt unsere nähere Umgebung erkunden können. Dazu geht es in die Stadt, die ihrer Bucht den Namen gibt: Køge. Beim Schlendern durch die Gassen der Altstadt verstehen wir, warum Køge als „malerische Hafenstadt“ im Reiseführer beschrieben wird. Gelbe, rote, blaue und grüne Häuschen wechseln sich ab und umrahmen die kopfsteingepflasterten Gassen. Stockrosen und bunte Türen verzieren die Eingänge von Wohnhäusern, Cafétischchen und Aussteller die Eingänge zu Cafés und Geschäften. Der ideale Ort zum Bummeln und Cafétrinken.
Ich empfehle allen, danach noch weiter bis Køge Marina, den Yachthafen, zu laufen. Hier spazieren wir von der Stadtmitte aus ca. 2 Kilometer nördlich hin. In der Hauptsaison ist auf dem Spielplatz, in den Hafenrestaurants und im Hafenbad sicher jede Menge los, jetzt wippen die Boote zwischen menschenleeren Stegen auf dem Wasser auf und ab. Genauso auf und ab geht es mit dem Wetter: Ende August ist es noch warm, wenn die Sonne rauskommt, wenn sie sich hinter Wolken versteckt und dem Wind freie Fahrt lässt, ist der beginnende Herbst spürbar. Nichtsdestotrotz möchte ich unbedingt ein Eis mit Guf essen – dem typisch dänischen Eis-Topping. Und wir haben Glück: es haben tatsächlich noch zwei Restaurants inklusive Eisbude auf. Mit Guf auf der Zunge lasse ich mir den Wind um die Ohren pusten und genieße diesen Hygge-Moment.
Kopenhagen: Hauptstadtcharme ohne Trubel?
Am nächsten Tag ist es dann so weit und es geht wieder nach Kopenhagen – dieses Mal mehr als nur zum Umsteigen. Wir laufen vorbei an Achterbahnrufen, über den Rathausplatz und durch die Fußgängerzone, “Strøget”, am Storchenspringbrunnen (auf Dänisch “Storkespringvandet”) vorbei bis zum berühmten Nyhavn. Hier sieht es genauso aus wie auf den Fotos und Puzzlemotiven, die man kennt: bunte, schmale Häuschen schmiegen sich am Kanal aneinander, Masten von Segelschiffen und Sonnenschirme schmücken die Promenade. Die typischen Sehenswürdigkeiten und die Haupteinkaufsgassen ziehen viele Tourist*innen an – verständlicherweise. Wenn man schon einmal hier ist, möchte man es sich nicht nehmen lassen, die kleine Meerjungfrau (auf Dänisch „Den lille Havfrue“) und Nyhavn live zu sehen. Außerdem kann Kopenhagen auch anders: vor allem an den Meeresausläufern ist auf den breiten Uferpromenaden viel Platz für kleine Pausen. Hier können wir in Ruhe unseren Blick schweifen lassen über den angenehmen Mix aus alter und moderner Architektur.
Weitere Orte für Pausen am Wasser findet man in Richtung der Stadtteile Frederiksberg und Nørrebro an den drei ineinander übergehenden Kopenhagener Seen. Mit der Aussicht auf die wunderschöne Stadt, das Wasser und die grünen Bäume schmeckt die Zimtschnecke, die ich mir in einer Bäckerei auf dem Weg hierher gekauft habe, gleich doppelt so gut. An Cafés mit dem typisch skandinavischen Gebäck mangelt es selbstverständlich nicht. Beim Schlendern durch die Gassen rund um die Haupteinkaufsstraße warten die für Kopenhagen typischen farbenfrohen Altbauten, jede Menge Fahrräder und eine große Auswahl an Restaurants, Leckereien und Boutiquen. Übrigens sind die Seitengassen deutlich ruhiger mit demselben Kopenhagen-Charme. Dasselbe gilt vor allem für die anderen Stadtviertel Kopenhagens wie Vesterbro. Die Weite, schönen Gebäude, das leckere Essen, die grüne Fleckchen, Radfahrer*innen und Meeresbriese sorgen für die lebendig-gemütliche Stimmung, die wir hier überall spüren.
Für einen Tag nach Schweden: Malmö
“Wenn wir schon mal hier sind” denken wir uns auch bei unserem nächsten Tagesausflug. Denn mit der Nähe zu Südschweden bietet sich unsere Lage in Ostseeland geradezu für einen Abstecher ins Nachbarland an: Der Regionalzug fährt regelmäßig über die Öresundbrücke in nur 40 Minuten vom Kopenhagener Hauptbahnhof nach Malmö. Also tauschen wir für einen Tag dänische gegen schwedische Kronen und lassen uns von der Küstenstadt verzaubern. Denn eins steht fest: Dieser Tagesausflug hat sich absolut gelohnt. Malmö hat alles, was es für einen Städtetrip braucht: eine wunderschöne Altstadt mit kopfsteingepflasterten Gassen, alten Gebäuden und selbstverständlich jeder Menge Orten zur Fika, grüne Oasen mit vielen Parks und in der Sonne glitzerndes Wasser in den vielen Kanälen und am Hafen. Auf unserer Erkundungstour durch das Städtchen, die Parkanlagen, den Schlosspark und das moderne, ehemalige Industrie- und Hafengelände Västra Hamnen fühlt es sich an, als hätten wir heute gleich mehrere Städte besucht. So abwechslungsreich sind hier Architektur und die einzelnen Viertel. Auch wenn es hier definitiv noch mehr zu entdecken gäbe, hat der Tag hier gereicht, um einen Eindruck und ein Gefühl für die Stadt zu bekommen. Was uns besonders aufgefallen ist: wie angenehm leer es hier ist. Doch einen Tag nach dem Besuch in Kopenhagen, das deutlich mehr Einwohner*innen hat und größer ist, ist das vermutlich auch kein Wunder.
Mehr Tipps zu Malmö, insbesondere kulinarische Highlights und Second-Hand-Infos lest ihr hier.
Fjord, Geschichte und Wikinger in Roskilde
Zum Abschluss ging es noch für einen kurzen Ausflug nach Roskilde. Die Regionalbahn fährt ab Køge in ca. 20 Minuten in die Stadt, die vor allem als Veranstaltungsort des Roskilde Festivals bekannt ist. Die Geschichte der Stadt, die von den Wikingern gegründet wurde und lange Zeit Sitz der dänischen Monarchie war, trifft man unterwegs immer wieder an: am Dom zu Roskilde, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, und am Wikingerschiffsmuseum, das am Roskilde Fjord liegt und dem Hafen seinen Charme verleiht. Selbstverständlich laden auch hier wieder Cafés zu leckerem skandinavischem Gebäck ein, sodass wir es uns so richtig gutgehen lassen können. In diesem Urlaub verboten: Mitzählen, wie viele Zimtschnecken verspeist werden.
Zwischen den einzelnen Städteerkundungen haben wir immer wieder Pausen am Strand bei Spaziergängen durch die Dünen und Picknicken im Sand eingelegt. Mit vielen Eindrücken aus vier ganz unterschiedlichen Städten und für Strandurlaub in Dänemark ganz typischen Erlebnissen wie Heckenrosenduft, Dünen und Eis mit Guf geht es für uns wieder zurück nach Hause. Den Umstieg in Hamburg nutzen wir für eine Pause an der Binnenalster und freuen uns darüber, wie gut dieser autofreie Urlaub in Dänemark funktioniert hat. Und jetzt, wo wir das wissen, steht fest: wir kommen wieder – mit dem Zug.

























