Wonach suchst du?

Auf dem Weg zum Meer, stehen entlang der Seite viele Fahrräder

© pixabay

Radreise mit Kind durch Portugal, Spanien und Frankreich

Die Autorin berichtet als Radreise-Einsteigerin von ihrer ersten Reise durch Europa – mit Erfahrungen, ihrer Packliste und Campingtipps für Familien.

Von Portugal über Spanien bis nach Franken: Sechs Monate, vier Länder, drei Menschen, die Jüngste gerade mal zwei Jahre alt. Auf unserer halbjährigen Radreise durch den Südwesten Europas haben wir viel gelernt – über Reiseplanung, das richtige Packen und über die Freude am Ungewissen.

Der Ausgangspunkt der Reise steht fest, das Ende ist offen. Mit Interrail und Flixbus fahren wir Anfang Februar 2025 nach Portugal. Unser Ziel: das Städtchen Faro im Südosten Portugals, direkt an der Algarve-Küste. Was wir vorhaben: Von Faro aus werden wir für die erste Etappe unserer Tour den portugiesischen Teil der Eurovelo 1 nutzen. Diese europäische Radfernverbindung folgt der Atlantikküste – von Faro aus immer Richtung Norden, dann durch Spanien, Frankreich, Irland und Großbritannien bis nach Norwegen. Eine Traumroute am Meer entlang mit vielen Stränden, tollen Landschaften und interessanten Städten als Zwischenstopps.

Die Idee: Während es in Deutschland noch Winter und zu kalt für eine Radreise ist, starten wir im sonnigen Süden Portugals. Von dort aus fahren wir dann mit zunehmenden Temperaturen gen Nord–Nordost, um im Hochsommer in gemäßigteren Klimazonen anzukommen.

Kleine Packliste für die Radtour mit Kind

Den Zug besteigen wir mit ungewöhnlichem Gepäck: Dabei haben wir unter anderem vier Fahrrad- und zwei weitere Taschen, ein Zelt, eine Luftmatratze, Schlafsäcke, einen Fünf-Liter-Wasserkanister und eine Spielzeugtasche für unsere zweijährige Tochter. Außerdem einen Fahrradanhänger und zwei Kupplungsadapter für die Fahrräder, damit wir uns mit dem Ziehen des Anhängers abwechseln können. Unsere Fahrräder? Fehlen noch, da wir die erst in Portugal kaufen werden.

Wofür rüstet man sich aus, wenn man sechs Monate unterwegs sein möchte – von kalt bis heiß, von regnerisch bis sonnig, von Gegenwind bis Berge? Wir nehmen von allem ein bisschen mit und verzichten vor der Reise bewusst auf viele Neuanschaffungen – zum Beispiel beim Campinggeschirr. Wir wollen erstmal schauen, was wir wirklich brauchen.

Am meisten Kopfzerbrechen bereitet uns die Ausrüstung für unsere Tochter. Freunde und Bekannte kommentieren unser Vorhaben skeptisch: Mit Kleinkind auf so eine lange Fahrradreise? Ist das denn vernünftig? Und machbar? Schließlich konzentrieren wir uns auf die bequeme Ausgestaltung des zweisitzigen Anhängers: Ein dicker, kuschliger Kinderwagenfußsack polstert tagsüber den Sitz und wird nachts zum Schlafsack. Zwei Stofftiere dürfen zur Gesellschaft mitfahren. Eine Kuscheldecke sorgt für Gemütlichkeit und zusätzliche Wärme. 

Herausfordernd ist außerdem, ein Set an Spielsachen zu finden, das klein, leicht, aber trotzdem vielseitig ist. Schließlich packen wir den gesamten Vorrat an Pixi-Büchern ein, den wir zuhause gesammelt haben, ein Malbrett, ein paar Schleich-Tiere und ein paar Fingerpuppen. 

Bus, Bahn und Rad

Mit Bus und Bahn erreichen wir den portugiesischen Ferienort Faro. Ein großes Hindernis, bevor wir losradeln können: Wir brauchen noch die richtigen Fahrräder. Radläden gibt es in Faro genug, und wir haben ein paar Tage eingeplant, um genug Zeit für diese wichtige Entscheidung zu haben. Nach einigem Hin und Her fällt unsere Wahl auf normale Tourenräder ohne E-Antrieb. E-Räder hätten uns zwar rückblickend das Radeln etwas einfacher gemacht. Aber: Portugal ist kein Radfahrland, und selbst die Eurovelo-Route ist mit Anhänger teils nur schwer befahrbar. Mal geht es zu steil bergauf oder bergab, mal versinken wir im Sand und können sowieso nur schieben. Ausgebaute Radwege oder gar eine verlässliche Radinfrastruktur gibt es auf unserer Strecke nur sehr punktuell.

Und dann geht es endlich los! Wir entscheiden jeden Tag neu, wohin und wie weit wir fahren möchten. Von Anfang an entwickelt sich unsere Radreise zu einer wohldosierten Mischung aus Planung und Spontanität. In der Regel überlegen wir uns erst am Vorabend, wie die nächste Etappe aussehen könnte. Dazu nutzen wir die GPS-Routen auf der Touren-App Komoot und orientieren uns an den vorhandenen Campingplätzen. Davon gibt es genug im touristischen Portugal. Und praktischerweise liegen die häufig im komfortablen Abstand von 30 Kilometern. Länger sind unsere Etappen anfänglich auch nicht, da die Tage im Februar noch kurz sind. Aber die Tage werden länger, und nach und nach pendelte sich ein fester Rhythmus ein: Um sieben, halb acht packen wir die Campingausrüstung zusammen und nutzten die kühlen Vormittagsstunden für den ersten Abschnitt unserer Tagesetappe. Nach zwei Stunden im Sattel suchen wir dann einen Platz zum Frühstücken – wenn möglich auf einem Spielplatz: Hier kann unsere Tochter, die schon im Anhänger gefrühstückt hat, spielen und sich austoben, während wir die erste Erholungspause machen. Praktische Ergänzung zu unserer Startausrüstung: eine Picknickdecke, die wir unterwegs kaufen und die sich sowohl beim Campen als auch in den Frühstückspausen bewährt. Als Frühstück bewährt sich ein Haferporridge mit frischen Früchten. Das ist nahrhaft und gleichzeitig platzsparend zu transportieren. 

Zu unserer Routine gehört auch, dass wir morgens beim nächsten Campingplatz anzurufen, den wir uns für den Abend als Ziel ausgewählt haben, und nach einem Platz für die Nacht fragen. Nur ein einziges Mal bekommen wir eine Absage und müssen uns neu orientieren.

Nach dem Frühstück schieben wir die Räder oft ein Stück, damit unsere Tochter noch ein bisschen laufen kann. Danach ist für sie meistens schon Zeit für den Mittagsschlaf – und wir können nochmal entspannt ein Stück radeln, bis wir am Nachmittag unser Tagesziel erreichen und unser Zelt auf dem nächsten Campingplatz wieder aufschlagen.

Tempowechsel: von Portugal nach Spanien

Unser Fortbewegungstempo in Portugal passt eher zum Motto Entschleunigung: kurze Etappen, nach drei bis vier Tagen Fahrt legen wir häufig ein oder zwei Pausentage ein – je nachdem, wie uns die Region oder der Campingplatz gefällt. Auch für Lissabon und Porto nehmen wir uns ein bisschen mehr Zeit und unterbrechen die Tour jeweils für einen kurzen Stadturlaub.

Erst in Nordspanien nehmen wir mehr Tempo auf. Das liegt aber vor allem am unfreundlichen Wetter und der fordernden Topografie. Und an der Tatsache, dass in Spanien Fahrradanhänger zum Transport von Kindern offiziell verboten sind. Das nehmen wir erst mal nicht so ernst, bis wir kurz vor Gijón an der asturischen Küste von der Polizei angehalten werden. Die Polizisten verwarnen uns und nehmen unsere Personalien auf. Die Drohung: Wenn wir nochmal erwischt werden, müssen wir nicht nur ein Bußgeld zahlen, sondern auch per Taxi zum nächsten Bahnhof fahren.

Ein komisches Gefühl, das letztlich dafür sorgt, dass wir für den letzten Abschnitt entlang der nordspanischen Küste von Santander bis zum Grenzort Irún den Bus nehmen. 

Erst kurz vor der französischen Grenze steigen wir dann wieder auf die Räder – und freuen uns über die fantastische Fahrradinfrastruktur in Frankreich. Ein Traum! Ausgebaute Radwege, gute Beschilderung – und viele Campingplätze entlang der Radrouten, die sich speziell auf die Bedürfnisse von Radfahrern eingestellt haben mit Kühlschränken, Aufenthaltsräumen, Fahrradreparaturstation und Sitzgarnituren. Eine angenehme Abwechslung zur Campingdecke.

Das ist genau die Ermunterung, die wir brauchen. Wir verlassen die Eurovelo-Route 1 an der Loire-Mündung und richten unseren Kompass gen Osten. 

Über Saône, Doubs und zahlreichen Kanälen entlang fahren wir dann auf dem Eurovelo 6 entlang bis Mulhouse (Mülhausen), wo wir wieder in Deutschland ankommen.

Wir ziehen durch, wovon wir am Anfang der Tour geträumt haben – ohne wirklich zu glauben, dass wir das schaffen würden: Von Portugal fahren wir (fast) die gesamte Strecke durch Spanien und Frankreich bis in unsere Heimatstadt Fürth.

Radtour – mit Kind – geht das?

Unser Fazit: Und ob das geht! Natürlich war nicht immer alles einfach, aber die Anstrengungen haben sich auf jeden Fall gelohnt. Und: Wenn wir nochmal eine Radreise machen sollten, würden wir gar nicht so viel ändern. Vielleicht die Strecke vorher ein bisschen bewusster aussuchen. Vielleicht den einen oder anderen Gegenstand (wie den Wasserkanister) zuhause lassen. Vielleicht insgesamt etwas weniger packen. Dafür definitiv von Anfang an einen Gaskocher mitnehmen, den wir erst später auf der Tour gekauft und schätzen gelernt haben. Aber die Spontanität, die Offenheit, nie wissen, was als nächstes kommt... die flexible Reiseplanung, die für mich Neuland war: Das würde ich auf jeden Fall wieder genauso machen.

 

 

Autorin Sarah Brockhaus

Newsletter

Erhalte Tipps zum nachhaltigen Reisen und verpasse kein Gewinnspiel mehr!

Abonnieren