Wonach suchst du?

Ein Fahrrad lehnt an der Balustrade eines Holzwegs über dem Strand, im Hintergrund der Strand und das Meer

Angekommen am Meer! / © Magdalena Rettenwander

Kunst, Kultur und Kilometer – Maastricht, Antwerpen und Rotterdam mit dem Rad

von Magdalena Rettenwander

Anderswo Autorin Magdalena war mit dem Rad auf Städte-Hopping-Tour und erzählt von ihren Erlebnissen in den Niederlanden und in Belgien.

Ich will ans Meer, entscheide ich kurzfristig vor einem langen Wochenende im Sommer. Mit einem Blick auf die Landkarte fällt die Entscheidung schnell: auf geht’s zum Hoek van Holland! Aber nicht etwa mit dem Zug, sondern am folgenden Tag schwinge ich mich auf mein bepacktes Fahrrad und radle auf meinen ersten Zwischenstopp auf dem Weg zum Meer zu: Maastricht. 

Maastricht entdecken

Vorbei an Aachen und über die niederländische Grenze geht es für mich am ersten Tag. Von hier an bewege ich mich auf den Spuren des legendären Rennrad-Klassikers Amstel Gold Race und plage mich sogar über den berüchtigten Cauberg, bevor ich die Ausläufe Maastrichts am frühen Nachmittag erreiche. An der Maas entlang fahre ich in die Stadt ein und verschaffe mir am Maasboulevard, direkt an der ältesten Brücke der Niederlande, der St. Servatius Brücke, einen Überblick über die Stadt. Ich entscheide mich dann doch, auf gut Glück loszulaufen und setzte mich am Vrijthof Platz in ein Café, um mich vor meiner Stadtbesichtigung mit Bitterballen zu stärken. Schon vom Café aus kann ich die St. Johannes Kirche, mit ihrem roten Turm, und die eindrückliche St. Servatius Kirche, sehen. Ganz in der Nähe finde ich auch eine Fahrradgarage, in der ich mein Fahrrad kostenlos abstellen kann. 

Meine Stadterkundung starte ich am eindrücklichen Stadhuis aus dem 18. Jahrhundert und spaziere daraufhin vorbei an Wassermühlen, die sich an die Mauern alter Häuser schmiegen, schlendere an der mittelalterlichen Stadtmauer entlang und mische mich in den bekannten Straßen Lang Grachtje und Klein Grachtje unter die anderen Tourist*innen. Ganze sieben nationale Denkmäler könnt ihr hier betrachten, die alle Teile der historischen Stadtmauer sind. Den Abschluss findet meine Erkundungstour im Stadtpark. Alte Mauern und Türme, kleine Bäche, verwunschenen Brücken, rankende Rosen und Schwäne, die sich im Wasser treiben lassen. In der abendlichen Sonne strahlt der Park eine warme Romantik aus, die mich etwas länger verweilen lässt, bevor ich zurück ins Zentrum aufbreche. 

Kleines Frankreich an der Maas

Die Stadt ist lebendig und bunt, Tourist*innen und Einheimische treffen sich in den engen Gassen, sitzen vor einladenden Cafés, Bars oder Restaurants, entspannen am Ufer der Maas oder gehen ihren alltäglichen Einkaufen nach. Auch ich laufe weiter durch die Stadt, unter Lichterketten und Kirchtürmen hindurch und sauge das sommerliche Flair ein. Ab und an fühle ich mich so, als wäre ich gar nicht in den Niederlanden, sondern in einem kleinen Städtchen Südfrankreichs. Deshalb entscheide ich mich auch dazu, in einem französischen Bistro Abend zu essen und meinen ersten Bike-Packing-Tag entspannt ausklingen zu lassen. Ihr wollt lieber wirklich nach Frankreich? Dann versucht es doch mit der Fahrradstadt Lyon!

Maastricht auf modern

Die älteste Stadt der Niederlande hat aber noch mehr zu bieten als mittelalterliche Mauern und alte Kirchtürme. Im architektonisch herausstechenden Bonnefantenmuseum wird eine Mischung aus alter und zeitgenössischer Kunst ausgestellt. Besonders sehenswert ist die Minimalismus- und Arte Povera Sammlung. Im Fotomuseum aan het Vrijthof könnt ihr spannende, wechselnde Ausstellungen besuchen. 

Wenn ihr mehr von der einheimischen Atmosphäre der Stadt erleben wollt, dann sind die verschiedenen Märkte Maastrichts ein Must-See. Der große Markt am Marktplatz findet jeden Mittwoch und Freitag von 9:00-15:00 Uhr statt. Bio-Köstlichkeiten findet ihr donnerstags am Bio-Markt in Wyck von 13:00 bis 18:00 Uhr. 

Ab nach Antwerpen 

Gegen 9:00 Uhr morgens schwinge ich mich wieder aufs Fahrrad. Heute steht die zweite Grenzüberfahrt an, für mich geht es nämlich ins belgische Antwerpen. Da der Wetterbericht gegen Abend Regenschauer ansagt, versuche ich etwas fester in die Pedale zu treten. Sobald ich am Albert-Kanal ankomme, entlang dessen ich die größte Strecke meiner heutigen Etappe zurücklegen werden, merke ich: das wird heute ein langer Tag im Sattel. Der Gegenwind bremst mich aus und die ewige Gerade vor mir scheint nicht weniger zu werden. Mit einem Podcast im Ohr, etlichen Müsliriegeln im Magen und ganz viel aufgebrauchter Geduld schaffe ich es, wenn auch spät und im einsetzenden Regen, nach Antwerpen. Dort bin ich auch bereit, mir meine Belohnung abzuholen: echte belgische Fritten.

Belgische Geschichte

Im Regen entscheide ich mich dann dennoch, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern und laufe von meiner Unterkunft im Bahnhofsviertel zum Grote Markt. Hier sind am Rathaus alle europäischen Flaggen vertreten, diese tauchen den Platz trotz des grauen Himmels in Farbe. Ich spaziere noch weiter, lasse die Liebfrauenkathedrale auf mich herunterblicken und die kleinen, fast menschenleeren Gassen auf mich einwirken. Immer wieder winden sich Kletterpflanzen die Wände der Gebäude hoch und verleihen der Stadt ein grünes Herz. In einer „Fritkot“, also einer Frittenbude, stärke ich mich noch für meinen Rückweg. Auch den Bahnhof, der immer wieder als einer der schönste der Welt bezeichnet wird, lasse ich mir nicht entgehen. So überwältigend die Eingangshalle auch ist, das viele Gold erinnert trotzdem an eine koloniale Vergangenheit. In den Zoo hinter dem Bahnhofsgebäude gehe ich nicht, aber schon der Garten vor dem Eingang hinterlässt einen Eindruck, mitsamt bitterem Beigeschmack. Die bunten Blumenbeete, Live-Musik unter einem Pavillon und die hohe Bäume, die den grauen Himmel verdecken, laden dazu ein, länger zu verweilen. Dennoch erzählen auch hier die Palmen, die überdimensionalen Statuen der nicht-heimischen Tiere, die auf den Mauern Wache halten, und die großzügigen Goldverzierungen eine Geschichte, die einer Kontextualisierung bedarf. 

Im Museum Mas im Norden der Stadt könnt ihr dieser Vergangenheit auf den Zahn fühlen. Mit der dort erlernten Perspektive verändert sich auch euer Blick auf die Stadt. Aber nicht nur mit ernsten Themen kann Antwerpen punkten, denn auf gleich zwei verschiedene Arten könnt ihr hier auf Zeitreise gehen. In der befestigten Siedlung Het Steen könnt ihr während der interaktiven Führung „The Antwerp Story“ die im 9. Jahrhundert verwurzelten Anfänge der Stadt erleben. Für eine kleinere Zeitreise spaziert ihr einfach durch den Vlaeykensgang, eine Gasse aus dem 16. Jahrhundert. Die moderne Seite der Stadt findet ihr unter anderem im PAKT. Dieses alte Industriegelände wurde zu einem nachhaltigen Zentrum für kreative Unternehmen und kulinarische Angebote umgebaut. Egal, ob für eine Kaffeepause oder ein Abendessen, hier findet ihr alles, was euer Herz begehrt. 

Wenn ihr jetzt noch nicht genug von Belgien habt, schaut doch in Gent vorbei!

Adieu Antwerpen, hallo Hoek van Holland 

Morgens fahre ich noch im Regen durch die Kalmthoutse Heide, dann klart der Himmel im Laufe des Tages immer mehr auf. Bald schon packe ich meine Regenklamotten wieder ein und genieße die flache, grüne Landschaft um mich herum. Kleine Kanäle, rote Backsteinhäuser und Vogelgezwitscher begleiten mich. Irgendwann fällt mir auf, dass ich nicht mehr in Belgien, sondern wieder in den Niederlanden bin. Ein Grenzschild gab es keines, nur die Autokennzeichen haben sich verändert. Als ich das Meer endlich erblicke, kommt eine kindliche Freude in mir hoch. So fühlt es sich also an, sich seine Wünsche selbst zu erfüllen. Entlang des Meeres radle ich auf den gut ausgebauten Fahrradwegen entlang, stärke mich nochmal mit Kaffee und Eis und atme die salzige Luft tief ein. Dann geht es für mich schon zurück nach Rotterdam, der letzte Stopp auf dieser Tour. 

Zurück in die Zukunft: auf nach Rotterdam

Über einen ausgetüftelten und beeindruckenden Fahrradweg rolle ich ins Zentrum der Stadt. Je weiter ich in den Stadtkern komme, desto mehr habe ich das Gefühl, immer weiter in die Zukunft zu reisen. Aus Fachwerkhäusern werden Glaspalaste, Hochhäuser bahnen sich ihren Weg in den Himmel. Der Schwan von Rotterdam, die beeindruckende Erasmusbrücke, ist die perfekte Ergänzung dieser Metapher. Zur Stärkung geht es für mich in die Markthalle, wo niemand lange hungrig bleiben muss. Der Geruch von ofenwarmem Brot, kräftiger Ramenbrühe und außergewöhnlichen Gewürzen hängt hier mitsamt des farbenfrohen Kunstwerkes „Füllhorn des Überflusses“ an den Wänden. Allein das Gebäude ist also bereits einen Besuch wert. Danach vertrete ich mir die Beine noch in der De Witte Straat, wo ich das ausgelassene Leben in den vielen Bars und die lebendige Kunst in den Kunstgalerien bestaune. 

Rotterdam erkundet ihr am besten zu Fuß oder mit dem Rad. Hinter jeder Ecke könnte sich ein ausgefallenes Gebäude, wie die Kubushäuser, oder ein gemütliches Café verstecken. Die moderne Atmosphäre der Metropole, die auch gerne „Manhattan an der Maas“ genannt wird, könnt ihr so am besten einsaugen. 

Für mich geht es am nächsten Morgen bereits zurück nach Köln. Mit dem Zug ist die Strecke schnell zurückgelegt und motiviert dazu, noch einmal zurück nach Rotterdam zu kommen und die Stadt besser kennenzulernen. Bei meinem zweiten Besuch würde ich jedenfalls die alte Seite der Stadt bei einem Spaziergang im Delfshaven oder einem Getränk im Oude Haven erkunden. Außerdem würde ich in die Museen der Stadt eintauchen, zum Beispiel ins Nieuwe Instituut, in die Kunsthal, aber auch ins Museum Rotterdam

Ihr wollt mehr Niederlande? Dann auf in die Universitätsstadt Leiden!

Fazit

Auf dieser Tour habe ich gemerkt, dass sich Kilometer kurbeln und Kultur erleben nicht ausschließen müssen. Im Gegenteil, denn die langsame Anreise, die viele Eindrücke der ruralen Umgebung hinterlässt, bettet die Stadtbesuche in einen neuen Kontext und liefert eine neue Perspektive auf die urbanen Zentren. Fazit: Städte-Hopping-Trips mit dem Rad kann ich empfehlen! 

Alternative Anreise mit dem Zug

Von Köln nach Maastricht

Nach Maastricht kommt ihr in unter 2 Stunden. Mit dem Deutschlandticket könnt ihr mit dem Regionalzug bis Aachen fahren und von dort seid ihr in circa 50 Minuten in der ältesten Stadt der Niederlande. Das sollte euch ungefähr 10€ kosten. 

Von Maastricht nach Antwerpen 

Unter drei Stunden bleibt ihr auch bei eurer Anreise nach Antwerpen, jedoch müsst ihr bei allen möglichen Verbindungen zweimal umsteigen. Entweder in Eindhoven Centraal und Breda oder bei der schnelleren Verbindung einmal in Liège Guillemins und erneut in Leuven. 

Von Antwerpen nach Rotterdam 

Nach Rotterdam hingegen kommt ihr direkt und in etwas mehr als 30 Minuten. 

Von Rotterdam nach Köln 

Auch hier wartet nur ein Umstieg auf euch. Von Rotterdam Centraal geht's entweder nach Utrecht Centraal oder nach Bruxelles Midi und direkt zurück nach Köln. Insgesamt seid ihr am Heimweg dann fast vier Stunden unterwegs. Verbindungen gibt es schon ab 40€. 

Mehr dazu auf unserer Website unter Anreise

 

Tipps für Radreisen in der Stadt

Wohin kann ich jetzt mein Fahrrad stellen? Diese Frage kam mir immer wieder, wenn ich mit meinem Rad in der Stadt unterwegs war. Meistens findet ihr in der Nähe von Bahnhöfen oder im Zentrum der Stadt Fahrradgaragen, die bewacht sind. So ist euer Fahrrad sicher und ihr könnt unbesorgt die Stadt erkunden. In den Niederlanden sind solche Garagen meist sogar kostenlos, in anderen Ländern kann es zu Gebühren kommen. 

In meinen Unterkünften habe ich meistens vor dem Buchen gefragt, ob Platz für mein Fahrrad sein wird, um sicherzustellen, dass mein Fahrrad auch einen sicheren Platz für die Nacht hat. 

Wie die Fahrradmitnahme im Zug funktioniert, verraten wir euch in einem anderen Artikel.

Newsletter

Erhalte Tipps zum nachhaltigen Reisen und verpasse kein Gewinnspiel mehr!

Abonnieren