Wonach suchst du?

Wanderer auf einem Bergkamm mit weitem Panorama über die Zentralschweiz.

Alltag mit Bergpanorama: Zeit für eine kurze Wanderung zwischen Melken, Käseherstellung und Weidepflege. / © Karsten Liebster

Ein Sommer auf der Alm: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

von Regine Gwinner

Kühe melken, Käse machen, Sonnenaufgänge über den Alpen erleben – klingt romantisch, ist aber harte Arbeit. Anderswo-Mitarbeiter Karsten hat mit seinem Sohn einen Sommer lang eine Alpe im Kleinmelchtal in der Schweiz bewirtschaftet und erzählt, wie sich das echte Bergbauernleben anfühlt.

Einen Sommer auf einer Alm verbringen, Kühe melken, Käse machen, die frische Bergluft genießen, zwischendurch die Umgebung erkunden und abends vor dem Kamin sitzen und ganz in Ruhe ein Buch lesen. Viele Menschen haben den Traum, einen Sommer lang das Leben einer Bergbäuerin oder eines Bergbauern zu führen. Die Hintergrundinformationen, die die Anderswo-Webseite dazu bereitstellt, gehören zu den meistgeklickten Seiten des gesamten Reiseportals. 

Daher wollten wir wissen: Wie sieht der Alltag auf der Alm wirklich aus? Und: Kann man da einfach so einsteigen? Anderswo-Mitarbeiter Karsten hat es ausprobiert. Der 62-jährige Bahnreiseexperte hat gemeinsam mit seinem 22-jährigen Sohn Valentin im Kleinmelchtal in der Schweiz eine Alpe bewirtschaftet und unserer Redakteurin davon erzählt.

Arbeiten auf der Alm: Romantische Idee trifft Wirklichkeit

Um fünf Uhr morgens klingelt der Wecker. Draußen ist es noch dunkel – und ganz schön frisch ist es oben auf 1.300 Meter Höhe auch. Aber die Kühe müssen gemolken werden. Also rein in Hosen und Gummistiefel und rüber in den Stall, wo die Tiere über Nacht eingestellt sind. Das Melken und die damit verbundenen Tätigkeiten diktieren den Tagesrhythmus auf der Alm. Karsten und Valentin sind für ungefähr 50 Kühe verantwortlich, darunter auch Kälber und Muttertiere, die nicht gemolken werden. Trotzdem dauert allein der Melkvorgang morgens und abends jeweils eine Stunde. Danach: Kessel anheizen und das Melkgeschirr reinigen, damit es nicht zu Infektionen bei den Tieren oder zur Verunreinigung der Milch kommt. Anschließend wird die Milch entweder vor Ort zu Käse verarbeitet oder mit dem Allradfahrzeug ins Tal zur Milchsammelstelle gebracht.

„In unserem Fall war es für den Bauern wirtschaftlich interessanter, wenn er die Milch verkaufen konnte“, erklärt Karsten. „Daher wurde nur die auf der Hochalpe erzeugte Milch zu Käse verarbeitet. Da wäre der Weg ins Tal zu lang und zu kompliziert gewesen. Von der mittleren Alpe aus, wo die Kühe im Frühsommer und im Herbst weiden, haben wir die Milch jeden Morgen nach dem Melken hinunter nach Lungern gefahren.“

Almleben in der Zentralschweiz

Die Alpe, für die Karsten und Valentin verantwortlich sind, liegt in der Zentralschweiz, genauer: im Kleinmelchtal. Die Region zwischen Luzern und Brienz ist eigentlich ziemlich touristisch. Ins Kleinmelchtal verirren sich aber nur die wenigsten. „Die Straße hier hoch ist ziemlich holprig und hat stellenweise eine Steigung von über 18 Prozent“, sagt Karsten. „Ein paar wilde Radsportler nutzen das als Trainingsgelände. Für normale Urlaubsradler sind die Wege unattraktiv.“ Auch die meisten Wanderrouten verlaufen auf der anderen Bergseite im Großen Melchaa-Tal. Womit wir schon bei einer der großen Herausforderungen des Bergbauern-Lebens sind: Es ist extrem einsam. „In den ganzen Wochen, in denen ich hier oben war, kamen zwei Überraschungsbesucher vorbei“, sagt Karsten. „Ein Jäger morgens um fünf auf dem Weg zur Jagd, und ein Mountainbiker, der sich verfahren hatte.“ 

Langeweile kommt aber auch ohne Besuch nie auf. Nach dem Melken werden die Kühe auf die Weide getrieben. „Mein Sohn Valentin ist ausgebildeter Schäfer“, berichtet Karsten. „Er hat in seiner Ausbildung in Bayern gelernt, wie Herden funktionieren und wie man die Leittiere einsetzen kann, damit die anderen folgen. Ich hatte da echte Autoritätsprobleme.“ Ein Beispiel: Die Kühe haben nach Rangfolge feste Plätze im Stall. Geht eine Kuh mit geringem Herdenstatus als Erste durch die Tür, ist das Chaos vorprogrammiert. Und eine 700 Kilogramm schwere Kuh gegen ihren Willen auf Kurs zu bringen, ist keine leichte Aufgabe. 

Mit welchen weiteren Herausforderungen sich Karsten auf der Alm konfrontiert sah und was er sonst noch alles erlebt hat, lest ihr im Anderswo-Magazin 2026.

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