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Kathrin Gruber, Hüttenwirtin, vor der Alm

Kathrin Gruber ist spontan zur Hüttenwirtin geworden, fühlt sich in ihrer Rolle aber sehr wohl. / © Magdalena Rettenwander

Alm & Berghütte erleben: Wie Regionalität den Bergurlaub prägt

von Magdalena Rettenwander

Wo der Enzian blüht, dort war unsere Anderswo Redakteurin Magdalena unterwegs, um die Atmosphäre des Salzburger Pinzgaus auf der Alm und auf der Berghütte einzufangen. Beim Almfrühstück und im Gespräch erfährt sie, was Regionalität und Saisonalität für Hüttenwirtinnen bedeutet.

Die Pinzgauer Berge leuchten im morgendlichen Sonnenlicht immer am schönsten. Für mich beginnt dieser Montag nämlich besonders – anstatt am Schreibtisch starte ich meinen Morgen mit einem Frühstück auf der Steinalm in Saalfelden. Ich schwinge mich aufs Mountainbike und trete die steile Forststraße, in wunderschöner Bergkulisse, hinauf. Die Anstrengung nehme ich in Kauf, denn ich weiß, dass oben ein ausgiebiges Almfrühstück auf mich wartet. Nach der Stärkung aus Schwarzbrot, Käseaufschnitt, Birchermüsli, Frischkäse, Marmelade, Honig und Kaffee darf ich mich mit Kathrin Gruber unterhalten. Die Almwirtin bewirtschaftet die urige Almhütte seit 2013 mit ihrem Ehemann Günther Gruber. Dass die beiden die Almhütte übernommen haben, hat sich damals sehr spontan ergeben. Seitdem hat sich viel getan – die Materialseilbahn, die den Transport der Lebensmittel gewährleistete, wurde durch eine Forststraße ersetzt. Das hat die Arbeit auf der Alm deutlich erleichtert und die Alm für Mountainbiker*innen und Wandernde mit Kinderwagen erschlossen. Herausforderungen bringt das Almleben trotzdem mit sich. Als kleine, urige Almhütte hat die Hütte nicht viel Lagerplatz oder Kühlungsmöglichkeiten. Das macht die Logistik, im Gegensatz zu einer Wirtschaft im Tal, zur Herausforderung. 

Almschweine – Regionalität vor der Hüttentür 

Wir sitzen auf einer Eckbank an der Wand der Almhütte, Sonnenstrahlen wärmen die noch kühle Sommerluft stetig. Wir blicken ins Tal und sehen Wandernde den Almboden in Richtung Hütte wandern. Auch die Gäste, erzählt mir Kathrin, sind anders als die im Gasthaus. Sie sind besonders genügsam und brauchen nicht viel. „Wandernde und Mountainbiker*innen kommen zu uns, weil sie einfache Pinzgauer Hausmannskost wollen: Kaspressknödel oder eine typische Brettljause.“ Für Qualität sorgt Kathrin, indem sie gute heimische Produkte verwendet und so viel wie möglich selbst macht. 

Wenn man zu Fuß auf die Alm kommt, läuft man kurz vor der Hütte an Schweinen vorbei. Diese Schweine verbringen den Sommer auf der Alm und werden im Herbst dann vom Metzger im Tal geschlachtet. Über den Winter selchen Kathrin und ihr Mann selbst und produzieren so ihren eigenen Speck sowie Jausenwürste und der Metzger macht Käsekrainer. So sieht Regionalität auf der Alm aus – das beeinflusst nicht nur den Geschmack: Tiere auf der Alm zu halten ist auch für die Landschaft wichtig. Genauso wichtig ist es, dass Menschen sich um die Alm kümmern und somit sichergehen, dass der Mikrokosmos Alm nicht verbuscht. Indem Kathrin das, was auf der Alm wächst, zu Lebensmitteln verarbeitet, sorgt auch sie dafür, dass das Landschaftsbild gepflegt wird.

Salbei und Holunderblüten werden zu Sirup, Pfifferlinge und Pilze werden zu Gulasch, jeden Morgen wird die Rinderbrühe für Kaspressknödel-, Speckknödel- und Gerstensuppe selbst angesetzt. Nicht immer kann alles aus Kathrins Garten kommen, doch wenn sie Produkte zukauft, achtet sie darauf, dass diese aus Österreich kommen. Der Käse zum Beispiel wird von einer Gemeinschaft von Bauern bezogen. Solche Zusammenschlüsse zu unterstützen garantiert, dass Bauern von ihrer Arbeit und ihren Produkten leben können. Nach dem gleichen Prinzip bezieht die Almwirtin auch ihr Brot vom Bäcker im Tal. 

Besondere Begegnungen in den Bergen 

Hier oben auf der Alm herrscht eine andere Zeit – etwas langsamer, etwas entspannter. Merkbar ist das schon daran, dass sich alle duzen, auf der Alm gibt es kein Sie. Überall fange ich neue Gerüche auf, in der Lärche singt ein Vogel, auf der buckligen Almwiese klettert ein Käfer einen Grashalm hoch, „Griaß di“ – Wandernde grüßen sich. Ich möchte von Kathrin wissen, was das Besondere an der Arbeit auf der Alm ist. Sie schmunzelt: „Das sind bestimmt die Begegnungen, die man mit den Menschen hier oben hat. Egal ob Einheimische oder Gäste – jede*r hat irgendetwas zu erzählen oder möchte irgendetwas von hier oben wissen.“ Kathrin bemerkt, dass es zwei Arten von Menschen gibt, die auf die Alm kommen. Die einen können die Auszeit vom Alltag genießen. Wenn Menschen kommen, die sich auf die Ruhe einlassen und darauf, dass hier oben die Natur den Ton angibt und nicht das Radio oder ein Fernseher, dann sind sie dankbar für die Stille und die Gemütlichkeit, die auf der Alm herrschen. Aber es kommen auch Menschen auf die Hütte, die nicht aus der Hektik des Alltags herauskommen, die ihr Handy nicht weglegen können, die ungeduldig sind und die Ruhe der Natur überhaupt nicht wertschätzen können. Das findet Kathrin schade: „Unsere Gäste sollen sich bei uns auf der Alm entspannen können und die Natur genießen. Schon am Weg zu uns gibt es so viel zu entdecken: die Blumen- und Tierwelt, den Wald und die Almlandschaft. Manche sind bereit, sich darauf einzulassen, andere schaffen es einfach nicht.“ Aber die Wertschätzung, die Kathrin für ihre Arbeit auf der Alm von den Gästen entgegengebracht wird, ist das schönste und wertvollste für sie.

Als ich mich wieder auf mein Mountainbike schwinge und die Forststraße bergab rolle, fällt es mir viel leichter, mich auf meine Umwelt zu konzentrieren: der Specht, der mit seinem Schnabel den Baumstamm aufbricht, die Vögel, die in die Baumkronen fliegen, die Blümchen am Wegrand, die blau und weiß mit der Sonne um die Wette leuchten. Auf der Alm wird man aufmerksamer, man genießt und ist dankbar für alles, was uns die Natur bietet. Ich sehe auch in den Himmel hinauf und bleibe dabei an den steilen Felshängen des Steinernen Meers hängen: Wie es wohl ist, dort auf einer Hütte zu arbeiten? 

Steil und hart – die Arbeit auf der Berghütte 

Dieser Frage gehe ich in einem Interview mit Hüttenwirtin Christiane Feller nach. Auf 1700 Metern über dem Meeresspiegel liegt die fast 100 Jahre alte Peter-Wiechenthaler Hütte im Salzburger Pinzgau. Zu Fuß ist die Berghütte vom Parkplatz in ungefähr 2 Stunden zu erreichen. Seit 10 Jahren pachten Christiane Feller und ihr Sohn Philipp Feller die Hütte. Die beiden sorgen auch dafür, dass sich der Anstieg lohnt, denn mit 4 Fallstaff-Sternen wurde die Peter-Wiechenthaler Hütte als beste Berghütte im Salzburger Land ausgezeichnet. Kein Wunder also, dass sie in der Saison immer gut besucht ist. Trotz des stressigen Hütten-Alltags im Sommer hat sich Christiane Zeit für mich genommen und ein paar meiner Fragen beantwortet. 

Anderswo: Dein Sohn Philipp hat vor der Arbeit auf der Hütte in Sternerestaurants gearbeitet. Wie wirkt sich das auf eure Küche aus? 

Christiane Feller: Genau, mein Sohn hat die Lehre mit Matura absolviert und in dem Rahmen die Koch- und Kellnerlehre beim Erlerhof in Zell am See abgeschlossen. Danach hat er in Innsbruck in einem Haubenrestaurant gearbeitet und außerdem eine Sommelier Ausbildung gemacht. Seine Erfahrung in diesen Spitzenrestaurants wirkt sich auf unsere Küche aus. Natürlich haben wir auch die typischen Speisen auf der Karte, wie die Brettljausen aus heimischen Produkten oder ein Speckbrot. Etwas außergewöhnlicher ist zum Beispiel das Gemüse-Curry mit Reis oder der hausgemachte Hummus mit getoastetem Schwarzbrot als vegane Optionen. 

Wirkt sich Saisonalität und Regionalität darauf aus, was auf die Karte kommt? 

Natürlich. Wir versuchen so viele heimische Produkte anzubieten, wie möglich. Oft bringen uns Leute auch Pfifferlinge, Pilze oder Schwarzbeeren aus dem Wald mit, dann verwerten wir die. Kräuter bauen wir auf unserer Terrasse hier oben selbst an und Bekannte und Verwandte unterstützen uns mit Gemüse aus ihrem eigenen Anbau. Da setzen wir auf Natur pur. Bei unseren Fleischprodukten achten wir darauf, dass sie nur aus Österreich kommen. Unser Brot machen wir, wenn Zeit ist, selbst oder kaufen es vom Bäcker in Fieberbrunn. Auch unseren Käse bekommen wir von einer Sennerei aus der Gegend und die Produkte für unsere typische Brettljause beziehen wir unter anderem von einem Metzger in Hüttau, der auch seine eigene Landwirtschaft betreibt. Es ist uns wichtig, dass die Qualität stimmt und unserer Produkte aus der Region kommen. 

Welche Herausforderungen bringt die Arbeit auf der Berghütte mit sich? 

Alleine der Lebensmitteleinkauf kann schon eine Herausforderung sein. Um die Produkte auf die Hütte zu transportieren haben wir nur eine Materialseilbahn. Zum Glück haben wir Lieferant*innen, die uns die Produkte bis zur Seilbahn liefern, aber selbst dann ist es noch sehr viel Arbeit, die Produkte oben von der Station bis zur Hütte zu tragen. Deshalb sind bei uns Dinge, die in Betrieben im Tal womöglich einfacher sind, auch anders. Zum Beispiel haben wir nicht die Möglichkeit, frische Milch zu lagern, die würde schlecht werden. Daher entscheiden wir uns für Haltbarmilch, so ist das eben auf einer Berghütte. Hier oben kann ich nicht in den nächsten Supermarkt gehen und eben schnell frische Milch kaufen. 

Auch unsere Wasserversorgung ist eine Herausforderung. Wir haben ein paar hundert Meter unter der Hütte eine Quelle, dort sammeln wir das Wasser und pumpen es dann nach oben. Wenn es sehr heiß ist, müssen wir aber sehr sparen. Weil das ein Aufwand ist, müssen unsere Gäste auch für ihr Wasser zahlen. So sind manche Dinge in den Bergen einfach aufwändiger. 

Die Arbeit ist generell sehr anstrengend. In der Hochsaison kann ein Arbeitstag schon 16 Stunden haben. Für unsere Angestellten ist das entspannter, aber ohne ein so tolles Team wäre die Arbeit auf der Hütte gar nicht möglich.

Es muss aber trotz der ganzen Herausforderungen schön sein, auf der Berghütte zu arbeiten, sonst würdet ihr es ja nicht schon seit 10 Jahren machen. Was findest du an deiner Arbeit am schönsten? 

Wenn man von den Leuten ein Danke bekommt. Wenn Gäste bei uns einkehren und das gute Essen wertschätzen und sich dafür bedanken. Das gibt mir Kraft und Aufschwung dafür, die harte Arbeit weiterzumachen. Unser Team, Philipp und ich betreiben hier einen riesigen Aufwand dafür, unseren Gästen das bieten zu können, was wir ihnen bieten. Wenn man Wertschätzung für seine Arbeit bekommt, dann macht man das auch gerne. Die Genügsamkeit und die Dankbarkeit ist, was ich an der Arbeit in den Bergen am meisten schätze. Es ist schön, wenn die Besucher*innen die Hütte mit einem Danke, guat wars, pfiat ench bis zum naxten Moi, verlassen. 

Mehr Almleben

Für viele Menschen ist es ein absoluter Lebenstraum eine Saison auf einer Berghütte zu arbeiten. Trotz der harten Arbeit möchten sie die Bergwelt einml ganz nah und persönlich kennenlernen. Wie ihr euch diesen Traum erfüllen könnt, erfahrt ihr im Artikel Arbeiten auf der Berghütte. Aber nicht nur Arbeiten könnt ihr auf der Alm, auch in den Bergen zu übernachten ist ein außergewöhnliches Erlebnis. Wenn ihr Sonnenauf- und Untergang einmal von den Bergen aus bestaunen wollt, geben wir euch im Artikel Übernachten auf Berghütten wertvolle Tipps für euer Bergabenteuer. 

Die Steinalm

Kathrins Arbeitsalltag wird von Wetter und Umwelteinflüssen geprägt. Normalerweise startet ihr Arbeitstag um 9:00 Uhr. Seit es die Forststraße gibt kann sie mit dem Auto zur Alm fahren, zu Zeiten der Materialseilbahn musste sie die Stunde auf die Alm zu Fuß bestreiten. Am Abend gibt es keine feste Schließzeit, sondern sie passt sich ihren Gästen an. Für Besucher*innen, die außerhalb der Öffnungszeiten kommen, zum Beispiel in der Nebensaison, gibt es einen Getränkeautomaten. Das ist ein Service, der speziell von Einheimischen sehr gerne genutzt wird. Auch im Winter kann man so auf der Steinalm „einkehren“ und sich selbst mit einem Getränk versorgen. 

Die Peter-Wiechenthaler-Hütte

Die Saison auf der Berghütte startet im Mai und geht bis circa Ende Oktober. Wenn ihr ein ganz besonderes Erlebnis möchtet, könnt ihr hier auch übernachten und einen atemberaubenden Sonnenaufgang über der Pinzgauer Bergwelt erleben. Auch wenn die Berghütte mit 54 Betten gut ausgestattet ist, ist es empfohlen einen Schlafplatz zu reservieren. Im Winter ist die Peter-Wiechenthaler-Hütte geschlossen. 

Wandertipp

Wenn ihr Kathrin und Christiane an einem Tag besuchen wollt, könnt ihr das über den 10km langen alpinen Rundweg machen. Diese schwere Wanderung ist jedoch nur für Bergerfahrene geeignet. Vom Parkplatz Bachwinkel in Saalfelden könnt ihr entweder mit dem Aufstieg zur Steinalm oder mit dem Aufstieg zur Peter-Wiechenthaler-Hütte starten. Zwischen den beiden Hütten erwarten euch schmale Steige, Stahlleitern und wunderschöne Aussichten auf die umliegende Bergwelt. Nach ungefähr 5 bis 6 Stunden endet die Tour wieder am Ausgangspunkt. 

 

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