Rückblick: Letztes Saisonspiel im Bochumer rewirpower-Stadion: Noch zehn Minuten sind zu spielen. Es drohen ein 3:0-Sieg für die Gäste aus Hannover und der Abstieg für Bochum. Während die ganz in Rot gekleideten Hannover-96-Fans vor Erleichterung über den Klassenerhalt jubeln, singen und sich weinend in den Armen liegen, toben die blau-weißen Bochumer vor Wut über das schlechte Spiel ihrer Mannen. "Wir wolln den Trainer sehn", singen die 96er Fans auf der einen Tribüne und feiern Mirko Slomka, als hätte er mit seiner Mannschaft soeben den Titel geholt. Währenddessen stürmen Feuerwehrmänner die gegenüberliegende Tribüne, wo frustrierte Bochumer dazu übergehen, ihre Fanartikel zu verbrennen.
So war das eigentlich nicht geplant. Die Wochenendradtour auf der "Deutschen Fußball Route NRW" folgte einer anderen Inszenierung: Anreise per Fahrrad, Spielbesuch, Übernachtung in der Bochumer Jugendherberge und den ganzen Abend Fanparty im Vergnügungsviertel "Bermudadreieck". Doch in der Saison 2009/2010 ist der Fußballgott anscheinend kein Nordrhein-Westfale, auch wenn es – wie Jürgen Steiner, Projektleiter des neuen Themenradwegs, betont – in keiner anderen deutschen oder europäischen Region eine ähnliche Dichte an Spitzenfußballclubs, Arenen oder Berühmtheiten gibt wie in NRW.
Mit dem Rad zum Ball
Das Bochumer Fußball-Stadion liegt wie viele andere bekannte Fußballstadien seit Mai 2010 an der "Deutschen Fußball Route". Wer Lust hat, Nordrhein-Westfalen einmal anders kennenzulernen, kann auf den Spuren aktueller Sportevents und fesselnder Fußballgeschichten mehr als 800 Kilometer von Aachen bis nach Bielefeld radeln. Schon vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 hatte man sich im Westdeutschen Fußballverband Gedanken darüber gemacht, wie sich die besondere Fußballkompetenz der Region besser in Szene setzen ließe. Knapp 100 Orte, an denen Besucher die "Faszination Fußball" erleben können, wurden damals identifiziert und touristisch aufbereitet. Dazu gehören natürlich die großen Stadien, aber auch lokale Kneipen, in denen Fußballidole verkehren, ein Beachsoccerfeld zum Austoben oder ein Fußballparcours über mehrere Stationen.
Im Ruhrgebiet liegen die großen fußballerischen Highlights dicht an dicht. Was Lärm und Autofreiheit angeht, ist Gelsenkirchen zwar nicht der optimale Startpunkt für diese Tour. Doch die beiden zwölfjährigen Fußballfanatiker Luca und Jurek, die an diesem Wochenende mit auf der "Deutschen Fußball Route" durchs Ruhrgebiet radeln, setzen sowieso andere Prioritäten: berühmte Stadien, Fanshops, Begegnungen mit "echten" Fußballern. Und das Allerwichtigste: Möglichst viele Bolzplätze sollen an der Strecke liegen.
Dass am Samstag der Besuch eines Ligaspiels auf dem Programm steht und die Tour am Sonntag beim BVB-Familienfest von Borussia Dortmund im Westfalenpark vorbeiführt, ist für sie Grund genug, zügig und ohne zu murren von Fußballstadt zu Fußballstadt zu radeln. Gelsenkirchen – Bochum – Dortmund: Luca hat das GPS-Gerät am Lenker und ist kaum zu halten. Er hat allerdings seinen Bochum-Schal zuhause vergessen und muss deshalb später unbedingt noch in den Fanshop am Stadion.








