© Daniel-Punseti/Arxiu-Camí-de-Ronda_www.camideronda.com

Fernwandern auf dem Camí de Ronda

Zwölf Tage entlang der schönsten Buchten und Dörfer der Costa Brava

Früher patroullierten auf dem „Camí de Ronda“ Wachsoldaten auf der Suche nach Schmugglern. Heute ist der Weg Teil des GR 92 und einer der schönsten Küstenwanderwege Kataloniens.

Hochsaison an der Costa Brava: In den Strandbars ist kein Stuhl frei, der Eisverkauf läuft auf Hochtouren. Im Küstenort Palamós pilgern alle an den Strand. Kleiderordnung: Weniger ist mehr. Aber ausnahmsweise ist es einmal nicht die Blondine im Bikini, die die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Von rechts nach links bewegen sich Wanderer ins Bild. Langsam kämpfen sie sich im sandigen Untergrund voran, während alle Augen ihnen folgen und jedes Detail registrieren: das schwere Schuhwerk, die großen Rucksäcke, die Funktionskleidung. Der Fernwanderweg GR 92 folgt konsequent der Küstenlinie und macht auch vor den Sandstränden rund um die Ferienorte Blanes, Lloret de Mar oder Platja d’Aro nicht Halt. Aber kaum hat man die bekannten Touristenhotspots hinter sich gelassen, trifft man auf die besten Seiten der Costa Brava:  kleine Fischerdörfer, Pinienwälder und einsame Badebuchten – auch während der Hochsaison.

Der „Camí de Ronda“ – angelegt im Kampf gegen Schmuggler – führt am äußersten Rand der zerklüfteten Küste entlang. So hatten die Wachposten immer beste Sicht bis zum Horizont. Aber sicher haben sie an heißen Tagen auch mal die Hosenbeine hochgekrempelt und die Füße im Meerwasser gekühlt. Das ständige Auf und Ab geht in die Beine. Bei jeder Badestelle wird die Versuchung größer, Rucksack und Funktionskleidung ab- und sich selbst in die Fluten zu werfen. Die Sonne bricht sich im flaschengrünen Wasser, das so klar ist, dass man Muscheln und Fischschwärme auf dem Meeresgrund erkennen kann. Sich einfach treiben lassen, die müden Muskeln entspannen und sich danach auf einem großen sonnengewärmten Stein ausstrecken und die Stille genießen – so schön kann Natur-Wellness sein.

Wandern mit Aussicht

Je näher der Weg der französischen Grenze kommt, umso schöner und naturbelassener wird die Landschaft. In historischen Hafenstädtchen wie Palamós, Parafrugell oder Begur belohnen sich Wanderer abends mit einem gemütlichen Zimmer mit Meerblick und einem Abendessen an der Strandpromenade. Ein Glas Rotwein im Sonnenuntergang, dazu phantasievolle Tapas aus frischem Fisch oder Spezialitäten aus den nahen Bergen – das hat mindestens vier Sterne für Genuss und Ambiente verdient.

Wenn die Sommerferien in Frankreich und Katalonien Anfang September zu Ende gehen, wird es schlagartig ruhig an der Costa Brava. Die Hotelpreise sinken, die Strände leeren sich und Restaurantbesitzer haben wieder Zeit zu plaudern. Zwar bleibt der Wanderer an der Costa Brava auch in der Nebensaison ein Mensch mit uneleganten Schuhen und verdächtig hippieskem Gepäck. Aber er erntet damit deutlich weniger Aufmerksamkeit – einfach, weil weniger Leute da sind, die gucken können.

Regine Gwinner, 2017

Mehr Informationen

Wandern auf dem Camí de Ronda: Hier gibt es viele Informationen zur Tourenplanung, viele Bilder und Angebote für organisierte Wanderungen: camideronda.com

Katalonien engagiert sich im Jahr des nachhaltigen Tourismus besonders für das Thema Nachhaltiger Küstentourismus. Ziel ist es, die einzigartige Naturlandschaft entlang der katalanischen Küste zu schützen und sie interessierten Besucherinnen und Besuchern durch nachhaltige Reiseangebote zu vermitteln. Daher hat sich Katalonien dem Netzwerk Wildsea Europa angeschlossen. Das Netzwerk informiert über besonders schützenswerte Regionen entlang der Mittelmeerküste und über Reiseveranstalter, die diese Region nachhaltig erkunden: www.wildsea.eu

Mehr Reisetipps und Informationen rund ums Thema Wandern in Katalonien gibt es auf der Website von Katalonien-Tourismus.

Besonders ökologisch aufgestellt und bestens platziert als Ausgangspunkt oder Zwischenstopp auf dem Camí de Ronda ist das 4-Sterne-Hotel HostalSpaEmpuries nahe L'Escala direkt am Strand.

Anreise

Die Bahnanreise erfolgt per Hochgeschwindigkeitsverbindung über Paris nach Girona oder Barcelona. Von dort aus per Bus zum Ausgangspunkt der Wanderung. Ab Montpellier fährt der Zug an der französischen Küste entlang mit bestem Ausblick auf Meer und Berge. Mehr Infos