Nicolas und Ursula zeigen auf ihren Salinenführungen, wie sie aus Meerwasser Salz herstellen und was Tourist*innen über die Arbeit von Salzbäuer*innen lernen können.
Ihr zeigt auf euren Salinenführungen die Arbeit von Salzbäuer*innen. Nicolas, du bist Paludier, was macht ein Salzbauer eigentlich?
Nicolas: Wir gewinnen Salz aus Meerwasser – mit Sonne und Wind. Diese Elemente, also Meerwasser, Sonne und Wind, bringen Paludiers auf natürlich vorkommenden Böden aus Tonerde so in Einklang miteinander, dass Salz kristallisiert. Das ist ein uraltes Handwerk, das sich seit über tausend Jahren kaum verändert hat. Das Schönste daran ist, dass auch die Landschaft erhalten geblieben ist. Wir gehören in Frankreich offiziell zur Landwirtschaft, auch wenn wir nicht auf Feldern, sondern mit Meerwasser arbeiten. Unsere Werkzeuge sind einfach: Zwei Hände, eine Schaufel und ein paar Geräte in uralter Form, die mit der Zeit natürlich modernisiert wurden – wir kommen ganze ohne Hightech aus. Es ist ein Beruf, in dem man mit der Natur arbeitet, nicht gegen sie.
Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?
Nicolas: Die Saison beginnt im Februar, wenn wir die Becken vorbereiten, und endet im September. Im Sommer arbeite ich täglich, oft bis spät in die Nacht. Man darf keinen Tag verpassen, denn wenn man einmal nicht erntet, ist das Salz verloren. Die Saline hat ihren eigenen Rhythmus – wie eine Kuh, die gemolken werden will.
Neben der Ernte gehören auch die Salinenführungen, unser Ferienhaus und der Verkauf unseres Salzes zu unseren Aufgaben. Wir vermarkten unser Salz selbst,also ist – je nach Jahreszeit – auch ein Großteil meines Jobs Büroarbeit. Ursula kümmert sich um das Ferienhaus und verkauft im Sommer unser Salz auf den Wochenmärkten.
Wie seid ihr dazu gekommen, Salz herzustellen – und Führungen darüber anzubieten?
Ursula: Auf einer Reise durch Frankreich kamen wir zufällig hierher. Ein Freund von Nicolas machte schon Salz, und nach einem langen, heißen Sommer half Nicolas ein paar Tage mit. Abends bei einem Fest sagte er spontan: „Warum bleiben wir nicht einfach hier?“ Am nächsten Morgen hat er sich dann für die Ausbildung zum Paludier eingeschrieben. Aus dieser spontanen Idee ist unser ganzes Leben geworden.
Die Führungen begannen später – zuerst für Schulklassen, dann für Touristen. Das läuft über das Tourismusbüro. Im Sommer bieten wir drei Führungen pro Woche an, eine auf Deutsch, zwei auf Französisch.
Was ist das Besondere an euren Führungen?
Nicolas: Das Tolle bei uns ist: Man kann die gesamte Salzproduktion vom Meer aus bis zur Saline zu Fuß erkunden. Wenn das Wetter stimmt, nehmen wir die Leute mit runter auf die Saline – und zwar barfuß. Davon sind die Besucher oft völlig begeistert. Und wenn man erst einmal gesehen hat, wie Salz gemacht wird, dann schmeckt es besser. Jede Führung ist einzigartig. Wir haben keine festgelegten Sprechparts und erzählen auch immer etwas anderes – je nach Gezeitenstand, Pflanzen, die gerade wachsen, oder Vögeln, die man sieht. Für mich ist das einfach schön, weil ich sonst oft allein arbeite. Die Führungen bringen Abwechslung – und sie zeigen mir, dass andere Menschen diese Arbeit wertschätzen. Außerdem sind wir sind die Einzigen hier, die die Führungen auf Deutsch geben.
Ursula: Ich gebe die deutschen Führungen, Nicolas auf Französisch. Bei mir dauern sie so zweieinhalb Stunden, bei ihm können das auch schon einmal drei bis vier werden. Es ist einfach sein Leben. Das spüren die Leute und seine Begeisterung reißt mit. Wir hatten auch schon Kindergruppen, Wanderclubs, sogar Blinde. Das war besonders berührend – sie sind ganz ruhig gegangen, haben alles erfühlt und gerochen. Solche Momente zeigen uns, wie viel Respekt und Aufmerksamkeit dieser Ort auslöst – und warum wir nie müde werden, ihn zu zeigen.