In der Nacht ist die Kaltfront durchgezogen. Obwohl es erst Mitte September ist, sind die Hügel des Pinzgaus weiß verschneit: Handschuhwetter für Radfahrer*innen, die an diesem kalten, klaren Morgen von den Krimmler Wasserfällen aus die Tour Richtung Salzburg beginnen. Noch versteckt sich die Sonne hinter einer Nebelwand. Noch mäandert es sich auf dem sonst gut befahrenen Tauernradweg einsam durch die Gebirgslandschaft. Der Regen vom Vortag strebt ebenfalls dem Tal zu. Links und rechts des Radwegs rauscht, gurgelt, tropft, gluckert und plätschert es. Braun und träge strömt die Salzach dahin und bietet dem Radfahrenden einfache Orientierung. Immer wieder geht es auf kleinen und größeren Brücken über das im oberen Lauf noch ungezähmte Flüsschen. Von rechts speisen Gebirgsbäche die Salzach. Sie kommen aus dem Tauern-Massiv, wo sie ansehnliche Schluchten, Bergseen und Wasserfälle gebildet haben.
Folge dem Wasser
Das beeindruckendste Wasserschauspiel steht direkt am Anfang der Tour: Die Krimmler Wasserfälle sind mit 380 Metern Fallhöhe die höchsten Österreichs. Über mehrere Stufen stürzen hier ungeheure Wassermengen ins Tal. Das Naturschauspiel gehört zu den bestbesuchten Sehenswürdigkeiten des Alpenlands. Aber nur wenige Besucher*innen verirren sich abseits des Wasserfalls in einen der Waldwege, die am Wasser entlang hinunter ins Tal führen. Kaum lässt man das Rad ein paar hundert Meter talabwärts rollen, wird es einsam im lichten Herbstwald.
Nach wenigen Kilometern ist der weite Talgrund des Pinzgaus erreicht. Saftige grüne Wiesen, so weit das Auge reicht. Die Sonne setzt sich gegen die letzten Nebelschwaden durch. Vorhang auf für die große Pinzgau-Show: strahlend blauer Himmel, Schneeberge und die Gletscher der Hohen Tauern in der Vormittagssonne. Handschuhe und Mütze wandern in die Fahrradtaschen. Den ersten Kaffee kann man schon wieder im Radlershirt auf der Terrasse eines urigen Almgasthofs genießen.
Radfahren am Fuß der Hohen Tauern
Knapp 70 Kilometer sind es von Krimml bis Zell am See – eine zügige Tagestour. Dabei liegen so viele Sehenswürdigkeiten auf dem Weg – das Hochtal der Krimmler Ache, der Kapruner Hochgebirgsstausee, die Sigmund-Thun-Klamm. Wer sich nicht die großen Strecken bis Passau oder gar Wien vornimmt, der könnte hier getrost den ganzen Urlaub verbringen und alles mit dem Rad erkunden.








