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Mit der Bahn nach Spanien

Interview mit Siegfried Klausmann von der Bahnagentur Gleisnost

Siegfried Klausmann von der Bahnagentur Gleisnost verrät, warum man in Spanien unbedingt Zug fahren sollte.

Anderswo: Sie haben 2009 die Lizenz für den Ticketverkauf der spanischen Staatsbahn RENFE übernommen: Hobby oder wirtschaftliches Denken?

Siegfried Klausmann: Natürlich hat alles, was ich in dieser Richtung unternehme, in erster Linie mit Leidenschaft zu tun. Aber so eine Originallizenz ist immer auch rentabel. Die Tarife, die ich für Spanien anbieten kann, liegen zum Teil bei einem Drittel des Preises, den man übers Internet oder am DB-Schalter bekommt.

Anderswo: Was sind das für Kunden, die Spanien per Bahn buchen?

Klausmann: Im Zeitalter der Billigflieger sind es nicht mehr viele. Ich betreibe seit 25 Jahren meine Bahnagentur. Vor 25 Jahren war es üblich, mit der Bahn bis Griechenland, Sizilien oder Marokko zu reisen, obwohl die Reisen damals doppelt so lang dauerten. In Málaga ist man heute in 24 statt in 48 Stunden.

Anderswo:  Wie entscheidend ist der Preis dafür, ob ein Kunde Bahn oder Flugzeug wählt?

Klausmann: Wer heute eine solche Spanienreise mit der Bahn macht, schaut sicher nicht in erster Linie auf den Preis. Die sehr preisbewussten Kunden werden schon durch die auf den günstigen Preis zugespitzte Werbung der Billigfluganbieter weggefischt. Meine Kunden sind eher Menschen, die ganz bewusst nicht fliegen wollen – aus welchen Gründen auch immer – und den Weg zum Ziel machen. Es ist eine kleine, feine Minderheit, die eher das Erlebnis des Reisens als die schnellste Beförderungsmöglichkeit sucht.

Anderswo:  Wie sieht es mit der Qualität aus? Kann man die staatliche RENFE empfehlen?

Klausmann: Auf jeden Fall! Die Qualität der neugebauten Hochgeschwindigkeitsstrecken ist hervorragend. Zwei Stunden fährt man nur noch von Madrid nach Córdoba, etwa drei Stunden von Madrid nach Barcelona. Die Züge, die dort fahren, sind baugleich mit unseren ICEs. Die RENFE gilt als pünktlichste Bahn Europas. Auf der Strecke Madrid - Sevilla gibt es bei einer Verspätung über 5 Minuten den vollen Fahrpreis in bar zurück.

Anderswo: Spanien ist gefühlt ziemlich weit weg. Ist die Bahnreise da wirklich ein positives Erlebnis?

Klausmann: Vergessen Sie nicht die Hauptattraktivität einer Bahnreise: Sie können die Fahrt jederzeit unterbrechen. Zum Kaffeetrinken in Paris aussteigen oder gleich ein ganzes Wochenende dort pausieren, in Biarritz den Sonnenschein am Strand genießen, in Bilbao das Guggenheim-Museum anschauen … Oder umgekehrt: Auf der Rückreise von Málaga liegen Barcelona oder Madrid am Weg. Mit dem Flieger kommen sie zwar schnell nach Málaga – aber eben auch nur dorthin. Gesehen haben Sie da noch gar nichts.

Anderswo: Paris, Barcelona, Madrid: Das sind drei absolute In-Metropolen. Passt so eine Bahnreise quer durch Europa da nicht genau in den Zeitgeist?

Klausmann: Die große Masse will einfach nur schnell und billig, das wird sich nicht so schnell ändern. Aber wer etwas erleben will, der hat heute wirklich sagenhafte Möglichkeiten dazu.

Regine Gwinner