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Wie umweltfreundlich ist Wohnmobil-Urlaub?

Der Wohnmobil-Hype im Check

Mit dem eigenen Wohnmobil in den Urlaub zu fahren erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Doch wie nachhaltig ist diese motorisierte Form des Campings? Anderswo hat nachgeforscht.

Wohnmobil-Industrie - Ein boomender Markt

Wer auf Instagram unterwegs ist, wird regelmäßig mit ihnen konfrontiert: Sonnenbeschienene Urlaubsbilder von glücklichen Paaren und Familien, die mit ihrem Wohnmobil, oder noch besser dem selbstausgebauten Bulli, ihren Urlaub verbringen. Der #vwbus liefert auf der Social-Media-Plattform knapp 1,5 Mio. Ergebnisse, der #vanlife (also das Leben im Camper-Bus oder Wohnmobil) sogar über 5,8 Mio. Die ganze Welt scheint auf die Reisegefährte zu fliegen. Auch die Deutschen.

Die Anzahl zugelassener Wohnmobile in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich an. Am 01. Januar 2019  waren über 930.000 Wohnmobile angemeldet, das entspricht einem Zuwachs von 9,4% im Vergleich zum Vorjahr. Dementsprechend wächst natürlich auch der Produktionssektor. So wurden 2018 auch 9% mehr Wohnmobile in Deutschland produziert als 2017, insgesamt über 72.500 Stück.  Besonders die Generation der Millenials zeigt großes Interesse am Erwerb eines Wohnmobils, wie eine Studie des Marktforschungsinstituts Growth from Knowledge (GfK) kürzlich zeigte.

Campingidylle im Wohnmobil? Fehlanzeige.

Die riesigen Luxusliner, die in den USA keine Seltenheit mehr sind und gerne mal 17 Tonnen auf die Waage bringen, haben zwar Deutschland noch nicht erreicht, doch auch bei uns baut der Wuppertaler Hersteller Volkner Wohnmobile mit integrierter Garage, damit der eigene Sportwagen mit auf die Reise genommen werden kann. Solche (man kann sagen größenwahnsinnigen) Fahrzeuge bilden zwar die Ausnahme unter den Wohnmobilen, nur knapp 20% der zugelassenen Wohnmobile in Deutschland haben ein Gewicht von über 3,5t, aber schon das "normale" Gewicht von 2,8-3,5t ist beachtlich. Auf den deutschen Campingplätzen, auf denen die Übernachtungszahlen auch seit Jahren kontinuierlich ansteigen, stehen die großen Gefährte dann oft dicht an dicht wie auf einem Parkplatz. Ein gutes, altes Zelt sieht daneben verschwindend klein aus.

Das Wohnmobil, ein Klimakiller?

Bei dem Gewicht, das selbst ein kleineres Wohnmobil auf die Waage bringt, ist der relativ hohe Treibhausgasaustoß nicht weiter verwunderlich: Rund 115 kg Treibhausgas pro Personenkilometer produziert ein Wohnmobil im Durchschnitt. Eine Studie des Öko-Instituts aus dem Jahr 2013 kommt trotzdem zu dem Schluss, dass eine Reise mit dem Wohnmobil emissionsärmer ist als eine vergleichbare Reise mit PKW und Hotelübernachtung. Das ergibt sich vor allem durch den relativ geringen Treibhausgasausstoß, den eine Übernachtung im Wohnmobil im Sommer verursacht, insbesondere, wenn das Wohnmobil auf einem Stellplatz und nicht auf einem Campingplatz abgestellt wird.

Was die Studie aber auch deutlich zeigt, ist, dass die Anreise mit dem Privatfahrzeug bei jeder Übernachtungsform den Großteil der Treibhausgasemissionen ausmacht. Es lohnt sich also, mit Fahrrad, Bahn oder Bus anzureisen, dann fällt auch die Hotelübernachtung nicht mehr so stark ins Gewicht. Und wer bei der Hotelübernachtung noch mehr Emissionen einsparen möchte, hält nach KlimaHotels Ausschau. Oder man packt direkt seine Camping-Ausrüstung ein und verbringt den Urlaub statt im Wohnmobil im Zelt. Wer nicht auf den Komfort eines Wohnmobils verzichten, aber bei der Anreise emissionsarm unterwegs sein möchte, kann auf vielen Campingplätzen auch Wohnwagen mieten.

Wohnmobile mieten

Wer sich dennoch dafür entscheidet, eine Reise mit dem Wohnmobil anzutreten, sollte genau überlegen, ob es wirklich ein eigenes Fahrzeug sein muss, das nicht nur in der Produktion einen hohen Emissionsausstoß verursacht, sondern auch elf Monate im Jahr unbenutzt auf dem Parkplatz steht. Über Websites wie yescapa oder campanda kann man ganz einfach Wohnmobile nahe seinem Standort mieten; und auch der ADAC bietet eine Wohnmobilvermietung an.

Um vor Ort klimafreundlich unterwegs sein zu können, ist es auch sinnvoll, Fahrräder mitzunehmen oder gegebenenfalls vor Ort zu mieten. Und wer seinen Wohnmobil-Urlaub nicht auf dem Campingplatz verbringen will und bereit ist, spannendere Stellplätze auszuprobieren, der kann mit der Landvergnügen-Vignette für 30€ ein Jahr lang bei über 600 Gastgebern in Deutschland kostenlos übernachten. Für jeweils bis zu 24h können Wohnmobile mit der Landvergnügen-Vignette auf Bauernhöfen, bei Imkern, Winzern und anderen ländlichen Betrieben abgestellt werden.

Katharina Baum, 2019

Nachhaltige Campingplätze finden

Ecocamping ist ein Netzwerk für nachhaltige Campingplätze, mit zertifizierten Plätzen in sechs Ländern. Die teilnehmenden Plätze verpflichten sich Richtlinien u.A. zur Luftreinhaltung, Naturverträglichkeit. Energieeffizienz und zum Wasser sparen.

Unter www.greencampings.at haben sich ökologische Campingplätze mit Umweltzeichen in Österreich zusammengeschlossen.

Die Landvergnügen-Stellplätze gibt es auch in anderen Ländern, zum Beispiel in Frankreich: www.france-passion.com

Klimahotels:

Für wen es statt einer Campingübernachtung doch lieber eine Nacht im Hotel sein soll, der kann nach der Zertifizierung KlimaHotel Ausschau halten. Diese garantiert, dass durch die Übernachtung so wenig Emissionen wie möglich generiert werden.

Speicher am Ziegelsee - das erste klimapositive Hotel Mecklenburg-Vorpommerns

Creativhotel Luise - umweltfreundlich übernachten in Erlangen

Waldhotel Felschbachhof - mit Slow-Food-Restaurant im Pfälzer Bergland

Übersicht der Blaue Schwalbe-Gastgeber, welche Klimahotels oder Klimabündnisbetriebe sind ...

Unter unseren Blaue-Schwalbe-Unterkünften finden sich viele weitere Klima- und BioHotels!

Viele Informationen über klimaschonende Unterkünfte und die Ressourcennutzung von Hotels bieten die Katzensprung-Factsheets.