Sprachurlaub in Florenz

Italienisch lernen so ganz nebenbei: Hauptsache genießen

"Allora", sagt Guiseppe und rührt versonnen mit dem Holzlöffel durchs Ragout. Dann legt der Koch den Löffel beiseite und macht seine typischste Handbewegung. Wie einst Napoleon legt er die flache rechte Hand aufs Herz und erklärt seinen aufmerksamen Kochschülern die Geheimnisse der florentinischen Küche.

Der Besuch in Guiseppe Castris Kochschule "Magici Sapori" steht auf dem Stundenplan eines ganz ungewöhnlichen Italienischkurses im florentinischen Sprachinstitut "Centro Fiorenza". "Wir haben festgestellt, dass sich das Profil unserer Sprachschüler in letzter Zeit verändert hat", erklärt Augusto Merlini, Leiter des Sprachinstituts, das Kurskonzept. "Gerade ältere Studenten wollen nicht mehr Grammatik pauken. Sie können oft schon ein bisschen Italienisch und sind eher interessiert daran, besser sprechen zu lernen und bei ihrem Besuch in Florenz Kultur und Küche unserer Region zu erfahren."

Daher hat das "Centro Fiorenza" sein Kursprogramm erweitert: Im Frühjahr und im Herbst bietet die Schule ein Programm an, das unter der Hand "50 Plus Florenz" genannt wird. Merlini lacht: "Keiner will 50 plus sein. Daher hat sich meine Kollegin den Titel "Kurse für Junggebliebene" ausgedacht." Das Programm für die Junggebliebenen beinhaltet Kurse zu den Themen Kunst sowie Essen und Trinken. Der Anteil des reinen Schulunterrichts beschränkt sich auf drei Stunden am Vormittag. In dieser Zeit gibt es im Klassenzimmer mit Blick auf den Arno beispielsweise Unterhaltungen über Kunstgeschichte oder einen Diavortrag zu den Kunstschätzen von Florenz.

Ziel ist es, den Teilnehmern das spezielle Vokabular zu vermitteln und sie zum Sprechen zu bringen. Nachmittags begleiten Sprachlehrer und Kunsthistoriker die Gruppe dann vor Ort in die Museen oder auf Stadtführungen durch Florenz. Gesprochen wird italienisch, und wer nach zwei Wochen "Arte in Florenz" wieder nach Hause reist, nimmt nicht nur ein profundes Wissen über die Schönheiten der Stadt mit, sondern hat auch seine Sprachkenntnisse deutlich erweitert.

Wer sich eher für italienische Weine und für Produkte und Küche der Region interessiert, sollte den Kurs "Lingua con Gusto in Florenz" besuchen. Auch hier drücken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – 50 plus oder nicht – vormittags die Schulbank, um einfache Dialoge zu üben und sich mit dem Grundvokabular der italienischen Küche vertraut zu machen. Denn nachmittags wird es dann ernst: Der Kurs begibt sich auf die lokalen Märkte und lernt die Besonderheiten der lokalen Produkte kennen. Bei Besuchen in den Florentiner Trattorien können die Studenten schon mal testen, wie die Einheimischen kochen, bevor sie sich dann selbst bei Guiseppe an einfachen Rezepten und Spezialitäten der Region versuchen. Eine echte Florentiner Lasagne – "die beste Italiens", wenn man Guiseppe glauben darf, – ist zum Beispiel bestens geeignet, um zu zeigen, was die lokale Küche ausmacht und worauf man schon beim Einkaufen achten sollte. Nebenher lässt der Hobbykoch seine Gäste auch mal am 25 Jahre alten Acceto Balsamico schnuppern, den Unterschied zwischen mittelaltem und uraltem Parmesankäse testen oder Olivenöl in unterschiedlichen Preisklassen probieren.

Dass die Gäste ganz nebenbei und völlig unangestrengt mit Guiseppe und seiner Frau über Käse, Wein, Essig und Öl plaudern und sich in die Sprache einhören, macht den besonderen Charme dieses Sprachkurses aus. Was wir mitnehmen? Wer wirklich italienisch kochen möchte, darf auf keinen Fall am Olivenöl sparen und muss es großzügig einsetzen. Und: Jeden Satz mit "Allora" beginnen!

Regine Gwinner, 2012

Mehr Informationen

Das Centro Fiorenza ist in einem alten Palazzo direkt am Arno untergebracht. Es gibt Kurse für alle Niveaus und im Frühjahr und Herbst die "50 plus"-Kurse mit Schwerpunkt Kunst oder Küche.
Außerdem bietet das Centro Kurse mit Naturerlebnisprogramm auf Elba an. www.centrofiorenza.com

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