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So überlebt der Nachtzug

Eine Studie der UIC zeigt, wie die Zukunft der Nachtzüge in Europa aussehen könnte.

Wie kann ein modernes und wirtschaftlich zukunftsfähiges Nacht­zugsystem aussehen?

Die UIC, ein internationaler Zusammenschluss von Eisenbahnunternehmen, hat eine Studie in Auftrag gegeben, um zukunftsfähige, wirtschaftlich tragfähige Geschäftsstrategien für das Nachtzugangebot zu entwickeln. Die Wissenschaftler nahmen dafür unterschiedliche Märkte in Europa, USA und Asien unter die Lupe und analysierten Angebote, Preise und Konkurrenzsituation. Vor diesem Hintergrund entwickelten sie ein Nachtzugmodell, das konkurrenzfähig sein kann und vor allem dem Flugverkehr Kunden abnehmen könnte – ein Ziel, das unter Klimagesichtspunkten besonders interessant sein und den politischen Zielen der EU entgegenkommen könnte.

Hier gibt es die UIC-Studie Night Trains 2.0 als Download (3,5 MB)
Hier gibt es Informationen zu Tag- und Nachtzugverbindungen in Europa.

Grundlage des UIC-Modells: die Möglichkeiten der europäischen Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur für die Nachtzüge zu nutzen. Mit neuen Zügen, die mit Geschwindigkeiten von über 300 km/h unterwegs sind, würde sich der Radius des Nachtverkehrs extrem vergrößern.
So könnten mehrere bevölkerungsstarke Regionen als Quell- und Zielpunkte der Reisen verbunden und Strecken von über 2000 Kilometern über Nacht befahren werden.

Ein Beispiel, das die Wissenschaftler durchgerechnet haben: die Verbindung London–Madrid. Der Zug fährt am Abend in London los und erreicht mit Zwischenstopp in Lille Paris deutlich vor Mitternacht. Dies ist die "Boarding-Phase", die Ballungsräume verbindet und so ein großes Fahrgastpotenzial garantiert. Von Paris aus fährt der Nachtzug dann nonstop nach Barcelona weiter. Da während der "Nacht-Phase" keine weiteren Passagiere zusteigen, herrscht Ruhe im Zug, damit die Fahrgäste ungestört schlafen können. Ab Barcelona beginnt die "Deboarding-Phase", die wiederum mehrere Ballungszentren umfasst, um ein möglichst breites Spektrum an Start- und Zielpunkten zu verbinden. Daher hält der Nachtzug zwischen Barcelona und Madrid auch in Zaragossa.

Um das Fahrgastpotenzial für eine solche Nachtverbindung zu ermitteln, haben die Autoren der Studie die Zahl der Fluggäste ermittelt, die Tag für Tag zwischen diesen Quell- und Zieldestinationen unterwegs sind. Könnten fünf Prozent dieser Flugpassagiere für das Nachtzugsystem gewonnen werden, wäre der wirtschaftliche Betrieb des Nachtzugs möglich.
Als größtes Hemmnis für einen Nachtzugverkehr mit Hochgeschwindigkeit betrachten die Wissenschaftler das bisher bestehende Vergütungssystem, bei dem das Bahnunternehmen für jeden gefahrenen Kilometer an den Betreiber des Schienennetzes zahlt. Je länger die Strecke, umso höher die Kosten. Bei Strecken von 2000 Kilometern und mehr macht der Trassenpreis über 50 Prozent der Gesamtkosten aus. Daher schlagen die Autoren der Studie vor, dass sich die europäischen Bahnen auf eine andere Ver­gütung für den Nachtverkehr einigen.

Regine Gwinner, 2018

Nachtzug-Reisen

Die Studie der UIC zur Zukunft der Nachtzüge gibt es hier als Download.

Anderswo hat zu allen europäischen Reisezielen Karten erstellt, auf denen alle Bahn- und Fährverbindungen eingetragen sind. Die Nachtzüge sind auf den Karten als blaue Linien erkenntlich. Tagverbindungen sind rot und Fährverbindungen grün markiert. Alle Karten gibt es nach Ländern sortiert unter www.wirsindanderswo.de/anreise

Es gibt Hoffnung

Die ÖBB hat in den letzten Jahren auf einigen Strecken den Nachtzugbetrieb der DB übernommen. Ab Dezember 2018 will die ÖBB nun auch ein Nightjet-Zugpaar zwischen Berlin und Wien anbieten und zwar nicht mehr über Prag, sondern weiter östlich über Breslau. Geplant ist dann auch, Kurswagen mitlaufen zu lassen zwischen Berlin und Budapest. (Quelle: Eisenbahn-Revue 6/2018)