Thalys auf der Brücke in Köln
© thalys.com

Köln – weltoffen, lebendig, alternativ

Köln verbindet Großstadtflair mit einladender Offenheit und Toleranz

Auf dem Instagram-Kanal "Mareike läuft durch Köln" hält Anderswo-Gastautorin Mareike ihre Entdeckungen und Geheimtipps fest. Für Anderswo hat sie ihre Lieblings-Ausgehtipps rund um ihr Veedel Ehrenfeld zusammengestellt – vom entspanntesten Restaurant bis zum coolsten Musikclub.

Lieblingsrestaurants in Köln

Diese Auswahl ist geprägt durch mein "Veedel". Veedel ist in Köln das, was in Berlin der Kiez ist. Mein Veedel ist Ehrenfeld im Kölner Westen. Wenn ich spontan Essen gehe, komme ich selten über Ehrenfeld hinaus – einfach, weil es hier so viele schöne Ausgehmöglichkeiten gibt.

Eines meiner liebsten Restaurants ist das "Meer sehen" in der Philippstraße – vor allem im Sommer, wenn man im Hinterhof draußen sitzen kann. Neben vielen tollen Hauptgerichten gibt es hier die kleinen „Vielerleis“, die man wie Tapas miteinander kombinieren kann. Vor allem für Menschen, die gerne teilen, ist das ein großer Spaß.

Veganes, asiatisches Essen, das weder nach Geschmacksverstärkern noch nach zu viel Fett schmeckt und außerdem Bio ist, gibt es bei "Mei Wok" in Ehrenfeld und Sülz. Gesünder und nachhaltiger geht es ja schon gar nicht mehr. Außerdem super lecker!

Phantastischen selbst gebackenen Kuchen gibt es im "Café Schwesterherz" auf der Venloer Straße. Geführt wird der Laden von zwei Schwestern, die regional einkaufen und nicht verkaufte Lebensmittel per Foodsharing abgeben.

Kölner Stadtspaziergänge

Für Kölner ist der Weg zum Herkulesberg hinauf ja fast schon eine Bergwanderung. Lohnt sich aber, denn von dort oben hat man einen sehr schönen Blick auf den Dom und über die Stadt: den Ausblick habe ich auf meinem Instagram-Account gepostet: https://www.instagram.com/p/BdaEC85jJMR/?taken-by=mareike_laeuft_durch_koeln

In Ehrenfeld selbst laufe ich am liebsten über den Melatenfriedhof. Hier stehen tolle alte Bäume, die im Sommer vor der Hitze schützen. Auf dem Melatenfriedhof sind vielen Kölner Persönlichkeiten und Promis bestattet – ein bisschen wie auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris. Man kann beeindruckende Gruften und Grabsteine bewundern oder einfach die Beschriftungen der Grabsteine lesen. Sonntags gibt es eine beliebte Führung zum Thema "Promis auf dem Melatenfriedhof".

Linksrheinisch ist der schönste Park zum Spazierengehen der Forstbotanische Garten mit der Rhododendron-Schlucht und wunderschönen Pfauen. Zwar ist der Park mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht ganz perfekt angebunden, mit dem Rad kommt man aber gut hin.

Alternativ fährt man mit der 13 bis zur Euskirchener Straße und geht dann durch den Beethovenpark, am Decksteiner Weiher vorbei nach Lindenthal. Das ist ein sehr schöner Spaziergang, der etwa 2 Stunden dauert – je nachdem, ob man beim Eiswagen eine Pause macht oder nicht.

Die schönsten Spaziergänge macht man aber auf der "Schäl Sick", der rechten Rheinseite. Hier ist man schneller im Grünen und raus aus der Innenstadt. Wer mit der Linie 4 bis zur Endstation fährt, kommt mitten im Wald an und kann unter Bäumen gemütlich zum Wildpark Dünnwald zurücklaufen. Im Gegensatz zu den Parks in der Innenstadt, begegnet man hier kaum einer Menschenseele und kann die Natur ganz in Ruhe genießen.

Wer einen Spaziergang am Rhein macht, sollte unbedingt über die Hohenzollernbrücke gehen und die Liebesschlösser ansehen. Auf der Deutzer Seite steht dann der LVR-Turm, auf den man für 2,50 Euro mit einem Aufzug hochfahren kann. Der Ausblick ist super! Man sieht im Süden bis zum Siebengebirge und im Norden bei klaren Sichtverhältnissen bis zur verbotenen Stadt – für Nicht-Kölner: Düsseldorf. Außerdem hat man einen tollen Blick auf den Dom.

Ausgehen in Köln

20er Jahre-Flair und die besten Cocktails der Stadt findet man im Klub Berlin, der natürlich auch in meinem Veedel Ehrenfeld liegt. Hingehen, einen Whisky Sour trinken und sich an den netten Kellnern mit Schiebermütze und Hosenträgern erfreuen!

Ob Comedy, Gesang oder Performance – jeden Montag können Künstler, oder solche die sich für Künstler halten, auf der Bühne im ArtTheater bei Kunst gegen Bares ihr Können beweisen. Am Ende gehen für alle Künstler Sparschweine rum und der mit den meisten Einnahmen wird zum Kapitalistenschwein des Abends gekrönt.

Alternative Events

Parallel zur großen Möbelmesse finden im Januar die "Passagen" statt. Designer präsentieren ihre Werke in der Kölner Innenstadt, auf den Ringen, im Rheinauhafen, in Deutz sowie in den Kreativ-Vierteln Ehrenfeld und Belgisches Viertel. Überall in der Stadt sind Veranstaltungen, Vernissagen und Ausstellungen – ein Muss für alle, die sich für Design interessieren.

Literarisch und kulturell gibt es drei Kultveranstaltungen in Köln, für die ich mir jedes Jahr Tickets sichere: Die lit.cologne im März, die phil.cologne im Juni und die crime.cologne im September. Während man bei Ersterer sehr schnell sein muss, um Tickets für die Wunschveranstaltung zu bekommen, ist es bei den anderen beiden Veranstaltungsformaten meistens entspannter und man kann sich auch spontan noch für die eine oder andere Abendveranstaltung entscheiden.

Köln hat insgesamt sieben Weihnachtsmärkte, die einen durch den Dezember begleiten – und noch zahlreiche kleine Märkte, die an einzelnen Wochenenden öffnen. Ein besonders schöner Weihnachtsmarkt ist der am Stadtgarten nahe dem Bahnhof Köln West. Dort stellen in erster Linie kleine Handwerksmanufakturen aus, die Selbstgemachtes anbieten. Da die Stände wöchentlich wechseln, lohnt sich auch mehr als ein Besuch – Bio-Glühwein inklusive.

Ebenfalls in der Weihnachtszeit findet in den Sartory Sälen am Friesenplatz das Holy Shit-Shopping statt. Auch hier wird viel Selbstgemachtes von kleinen Labels und Manufakturen angeboten – fehlende Weihnachtsgeschenke findet man hier garantiert. Tipp: Möglichst früh da sein, um lange Wartezeiten zu verhindern.

Seien wir mal ehrlich: Sich am Samstagmorgen aus dem Bett quälen, um frisches Gemüse auf dem Markt zu holen, ist einfach zu hart! Auf dem Rudolfplatz gibt es daher einen Feierabendmarkt, der jeden Donnerstag um 16:00 Uhr eröffnet. Neben fertigen Speisen kann man dort auch alles kaufen, was ein normaler Wochenmarkt anbietet. http://www.meet-and-eat.koeln/

Ein besonders schönes Kino ist die Astor Filmlounge in der Nähe vom Friesenplatz. Popcorn und Nachos sucht man hier vergebens, dafür gibt es Fingerfood, Service am Platz und Fußhocker in liebevoll dekorierten Kinosälen, die einer privaten Bibliothek gleichen. Neben aktuellen Filmen werden hier auch Klassiker und Opernaufzeichnungen gezeigt. Alternative als der Residenz Filmpalast sind das Cinenova in Ehrenfeld und die Filmtribüne. Hier findet man viele Independent Filme und Filme in Originalfassung.

Shoppen in Köln

Hohestraße und Schildergasse sind die touristischen Shoppinghochburgen, die Kölner vor allem am Wochenende meiden. Viel netter, aber auch schon recht bekannt, sind Ehren- und Breitestraße, wo man viele große Marken findet. Die Kölner Luxusmeile ist die Mittelstraße – gucken geht hier (Menschen und Kleidung), kaufen eher nicht.

Mein persönlicher Favorit fürs Shoppen in Köln sind die Körnerstraße und ihre Parallelstraßen in Ehrenfeld. Hier gibt es viele kleine Läden, in denen junge Kreative selbst gemachten Schmuck, geflochtenen Draht, verschiedene Biermarken und tolle Bilder anbieten. Auch Buchläden, die keiner Kette angehören, findet man hier noch.

Im Belgischen Viertel gibt es neuerdings eine Markthalle, in der man hochwertige Lebensmittel kaufen kann. Aber auch über das Kulinarische hinaus hat das Veedel rund um die Brüsseler Straße viel zu bieten. Zahlreiche kleine Boutiquen haben hier eröffnet und laden zum Shoppen ein. Vom Hauptbahnhof kommt man ganz einfach mit der Linie 5 bis Friesenplatz oder Bahnhof West zum Belgischen Viertel.

Übernachten

Für junge Leute ist das Weltempfänger-Hostel genau der richtige Ort. Mitten in Ehrenfeld kann man hier günstig übernachten. Beim Frühstück setzt das Weltempfänger auf BIO-Eier, BIO-Aufschnitte und BIO-Honig. Mittags gibt es Suppen aus der Suppenbar und zwei Sorten sind immer vegetarisch. Mit etwas Glück findet gerade ein tolles Konzert von noch unbekannten Musikern im Hostel statt, wenn ihr anreist.

Auch Köln hat u.a. direkt am Mediapark ein Motel One. Hier gibt es, wie in allen Motel Ones, ein üppiges Biofrühstück. Kann man machen, aber charmanter sind die kleinen Hotels der Stadt.

Der Ortsteil Köln Weiss ist ein Geheimtipp für alle, die etwas außerhalb der turbulenten Innenstadt übernachten möchten. Radtouren am Rhein, Spaziergänge durch die Felder... Hier schläft man ruhig und stilvoll im B&B Alte Schreinerei. Das Hotel ist ökologisch und nachhaltig restauriert. Auch beim Frühstück setzt die Unterkunft auf regional und bio.

Mareike Schiffels