Bruno Peters auf Segelschiff
© Bruno Peters

Interview: Segelreisen

Interview mit Bruno Peters über Segeltörns, coole Surfcamps und die Vorzüge des Stand-up-Paddlings.

Seit 1992 konzipiert Bruno Peters für Windbeutel-Reisen Segeltörns und Aktivcamps. Im Interview mit Anderswo berichtet er, wie das typische Segeltörn-Publikum aussieht und für wen Urlaub am Wasser genau das Richtige ist.

Anderswo: Wie ist das, wenn jemand lange vom Segeln geträumt hat, aber noch nie gesegelt ist und sich dann bei euch für einen Segeltörn anmeldet?

Bruno Peters: Im Prinzip braucht man für die Törns, die wir anbieten, keine Vorkenntnisse. Wenn man aber in einem "wil­deren" Revier segeln möchte, ist es wichtig, vorher mal an Bord gewesen zu sein, um zu wissen, was Wellengang bedeutet.

Anderswo: Habt ihr Schnuppertouren im Programm, bei denen man seine Seetauglichkeit testen kann?

Peters: Normalerweise dauern unsere Segeltouren eine Woche. Im Ijsselmeer kann man aber auch erst mal ein Wochenende buchen, um das Erlebnis Schiff zu haben. Eine schöne Einsteigertour ist auch Korfu. Dort ist das Gewässer ruhig und man kreuzt vor allem zwischen Festland und Inseln.

Anderswo: Man kann also auch von Bord gehen, wenn man feststellt, dass man die See oder das Leben an Bord überhaupt nicht verträgt.

Peters: Seekrankheit wird immer so hoch gehandelt. In der Realität ist das ganz selten ein Thema. Wir haben über 2000 Gäste pro Jahr auf unseren Törns. Wenn da einer pro Jahr mal wegen Seekrankheit abbricht, ist das schon viel.

VR: Ihr seid Spezialisten für Reisen rund ums Wasser. Was genau bietet ihr an?

Peters: Unser Schwepunkt sind Mitsegeltörns für Erwachsene. Aber das sind bis auf eine Ausnahme keine Hochseetörns, sondern gemütliche Segelurlaube, bei denen die Gäste sich am Alltag an Bord beteiligen.

Anderswo: Eine Woche auf einem Segelboot: Für wen ist das was?

Peters: Die Gruppen sind sehr altersheterogen. Das geht von 25 bis 75. Alles Menschen, die mal segeln wollen, aber nicht als Sportsegler, sondern die das Landschafts- und Segelerlebnis mit Urlaub und Erholung verbinden möchten. Bei unseren Törns kann man mitanfassen, miterleben, mitgestalten, ist aber trotzdem noch Gast. Die Verantwortung für die seemännischen Dinge an Bord trägt immer ein Skipper.

Anderswo: Und wenn ich jetzt so gar nicht der Segeltyp bin, sondern mir das Wasser lieber von festem Standpunkt aus anschaue?

Peters: Wir bieten diverse Aktivcamps für Familien an. Die liegen immer am Wasser, verbinden aber Wassersport mit vielen anderen Aktiv- und Erholungsangeboten: Radfahren, Wandern, Klettern, Ausflüge … Da können Erwachsene und Jugendliche getrennt ihren Aktivitäten nachgehen und jeder kann sich aussuchen, was ihn am meisten interessiert.

Anderswo: Und wie ist der Trend? Wer entscheidet sich wofür?

Peters: Für die Jugendlichen ist Surfen immer besonders attraktiv. Schon allein der Gang mit dem Surfbrett unterm Arm vom Campingplatz bis zum Strand macht was her. Bei den Erwachsenen ist es unterschiedlich. Männer suchen auch im fortgeschrittenen Alter die Herausforderung und machen einen Surfkurs. Frauen sind da vorsichtiger. Allerdings haben wir festgestellt, dass Frauen Stand-up-Paddling toll finden. Diese Vorliebe haben die Ani-mateure jetzt ins Programm integriert und bieten am Lac de Sainte-Croix zum Beispiel speziell für die Frauen Ausflugstouren auf den Stand-up-Boards einmal quer über den See zum Kaffeetrinken in Sainte-Croix an.

Anderswo: Welche Rolle spielt der Umweltschutz bei euren Reisen?

Peters: Bei Segeltörns ist man durch den knappen Platz und die begrenzten Ressourcen so reduziert, dass das eigentlich kein Thema ist. Die Gäste setzen sich durch die Nähe zur Natur mit dem Thema Natur- und Wasserschutz auseinander.

Anderswo: Ist die Verpflegung ein Thema?

Peters: Wir haben bei unseren Camps ein paar Köche, die schon sehr lange dabei sind. Ulrich Schlichting beispielsweise versucht immer vor Ort so viel wie möglich bio und regional einzukaufen. Er nimmt die Gäste mit auf Märkte oder zu den Bauern, organisiert Weinproben und stellt Biowein vor. Unser Koch auf Korsika bietet Kräuterwanderungen, damit die Gäste verstehen, was er kocht. Er kauft regional ein und bindet die lokalen Produzenten in die Versorgung ein.

Anderswo: Wie reisen die Gäste an?

Peters: Beim Segeln wird viel geflogen. Ich würde mal schätzen, über 98 Prozent unserer Kunden fliegen, obwohl man auch anders anreisen könnte. Wir versuchen, durch Beratung gegenzusteuern, aber es ist enorm schwer, hier gegen alte Gewohnheiten anzuargumentieren.

Regine Gwinner, 2013

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