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Artenschutz im Urlaub

Was Reisende für die biologische Vielfalt im Reiseland tun können

Nur wer die Natur schätzt, der schützt sie auch, lautet eine Grundüberzeugung der Naturerlebnis-Pädagogik. Daher legen Nationalparke, Naturparke und andere Schutzgebiete viel Wert darauf, sich für Besucher zu öffnen. Sie weisen Wege aus, auf denen interessierte Gäste das Schutzgebiet erkunden können, oder bieten Führungen zu bestimmten Themen an. Wer ein Schutzgebiet kennenlernen möchte, findet über eine geführte Exkursion den besten Einstieg.

Natürlich kann man auch auf eigene Faust Natur erleben, wenn man dabei die Anweisungen am Weg befolgt und Verbote beachtet. Sie sind keine willkürliche Schikane, sondern haben immer gute Gründe – zum Beispiel den Schutz von brütenden Vögeln, von Jungtieren oder von seltenen Pflanzen.

Viele Naturpädagogen, Reiseleiter und Nationalpark-Ranger machen immer wieder die Erfahrung, dass auch seriöse Naturliebhaber alles andere als schonend mit der Natur umgehen. Oft, weil sie nicht wissen, was sie Tieren und Pflanzen damit antun. Da wird trotz Verbots schon mal ein Lagerfeuer gemacht, Beeren oder Pilze geerntet, Blumen gepflückt, zu Fuß eine Abkürzung durch den Schutzbereich gewählt oder der erosionsgefährdete Hang als Trainingsgelände fürs Mountainbiken genutzt.

Artenschutz im Urlaub

Die schlimmste Gefährdung für bedrohte Tier- und Planzenarten weltweit geht jedoch von den Jägern und Sammlern aus, die exotische Pflanzen oder seltene Tiere mit nach Hause bringen möchten. Nicht immer sind das die professionell organisierten Schmugglerbanden, die auf wertvolles Elfenbein oder seltene Tierhäute aus sind. Häufig ist es schlichte Unwissenheit, die Touristen dazu bringt, Pflanzen nicht nur zu fotografieren, sondern gleich mit nach Hause zu nehmen oder Tiere im Gepäck zu verstecken - mit erheblichem Schaden für die betroffenen Arten.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, kurz CITES) hat zum Ziel, den Handel mit Wildtieren und Pflanzen zu kontrollieren und über die daraus erwachsenden Probleme aufzuklären. Es ist seit 1973 in Kraft. Grund für das Übereinkommen war die Erkenntnis, dass eine der Hauptursachen für das Aussterben von Tierarten der internationale Handel mit einzelnen Tieren oder den aus ihnen gewonnenen Erzeugnissen (etwa Leder, Naturmedikamente oder Lebensmittel) ist.

Für viele Urlaubsländer ist die Ausbeutung ihrer Natur ein lukrativer Wirtschaftszweig. Es kann daher gut vorkommen, dass Urlauber auf Märkten und in Geschäften Tiere und Pflanzen zum Kauf angeboten werden, die eigentlich geschützt sind. Damit es bei der Zollkontrolle nicht zu bösen Überraschungen kommt, bietet die deutsche Zollbehörde eine nach Urlaubsländern sortierte Liste mit geschützten Tier- und Pflanzenarten an.

Biologische Vielfalt

In den Jahren 2015 und 2016 stand das vorbildliche Engagement für intakte Natur- und Kulturlandschaften, einzelne Arten und Lebensräume im Mittelpunkt der UN-Dekade. Das Motto "Vielfalt bewahren - als Partner der Natur" spielt auch im Tourismus eine wichtige Rolle. Daher zeichnete die UN-Dekade gezielt touristische Projekte aus, die die biologische Vielfalt aufwerten und bewahren.

Mit gutem Grund, denn die UN-Dekade hat zum Ziel, das Bewusstsein der Weltbevölkerung für die Vielfalt und die Besonderheit des Lebens und der Natur auf der Erde zu sensibilisieren. Denn biologische Vielfalt ist viel mehr als die reine Vielfalt der Arten. Sie betrifft zum Beispiel auch die Diversität der Gene, die die Informationen für die unterschiedlichen Erscheinungsformen einzelner Arten tragen: Die Augen- oder Fellfarbe von Tieren ist in den Genen festgelegt, Aussehen und Geschmacksrichtung von Obst- und Gemüsesorten.

Aber die Definition von biologischer Vielfalt schließt auch verschiedene Lebensräume wie Wüsten, Wiesen, Wälder, Flüsse, Meere, Seen und Kulturlandschaften mit ein. Diese Verflechtung von Lebensformen und Lebensräumen macht Naturregionen erst zu den einzigartigen touristischen Zielen, die Urlauber so schätzen: Alpen und Wattenmeer, Wälder und Heidelandschaften, Hochmoore, Flussauen, Seengebiete und Meeresküste. Allein in Deutschland sind zwischen Nordsee und Alpenraum rund 48.000 Tier-, 9.500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten zu Hause.

Regine Gwinner, 2016

Weitere Infos

Für die Bundesrepublik Deutschland ist das Bundesamt für Naturschutz (BfN) als Unterbehörde des Bundesumweltministeriums für die Umsetzung des Washingtoner Artenschutzabkommens zuständig. Hier können sich Urlauber über die Vorgaben informieren und finden Antworten auf viele Fragen rund um das Thema Artenschutz: www.bfn.de

Informationen und Hintergrundwissen zum Thema "Biologische Vielfalt" gibt es auf der Internetseite der UN-Dekade Biologische Vielfalt: www.undekade-biologischevielfalt.de

Mehr Tipps rund ums ökologische Reisen und zum Naturschutz unterwegs gibt es beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND): www.bund.net

Hier kann man sich schon vor dem Urlaub informieren und so Ärger vor Ort vermeiden: www.artenschutz-online.de

Ein Lesetipp für alle, die touristische Angebote im Umfeld von Natur- oder Nationalparken erstellen: Das Bundesamt für Naturschutz hat im Leitfaden "Tourismus und Biologische Vielfalt” die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Naturerlebnis-Angebote zusammengestellt und gibt einen Überblick über gute Beispiele in Deutschland.

Auszeichnung

Dank seines Engagement für den nachhaltigen Tourismus wurde das Anderswo-Vorgängermagazin und -Webportal Verträglich Reisen bereits zum zweiten Mal als Projekt der UN-Dekade Biodiversität ausgezeichnet. Mehr Informationen zur Auszeichnung von UN-Dekade-Projekten finden sich unter: un-dekade-biologische-vielfalt.de/projekte