© Judith Hyams

Alles im Fluss

Eine Familienreise entlang der jungen Donau

Juuuhu, ein Wasserspielplatz! Die Kinder schütteln ihre Rucksäcke ab und machen sich sofort ans Pumpen und Planschen, ans Kurbeln und Spritzen. Der Bach am Spielplatz ist unser Ziel: Neun Stunden sind wir mit Zug und Bus von Berlin nach Furtwangen im Schwarzwald gefahren. Hier wollen wir den Ursprung der Donau kennenlernen. Ganz angekommen sind wir aber noch nicht. Deshalb heißt es irgendwann: Schuhe wieder an und rein ins Taxi, welches sich noch sechs kurvige Kilometer den Berghang emporschraubt, vorbei an Häusern mit tief hängenden Dächern, grasenden Kühen und Tannen wie aus dem Rotkäppchenwald. Schließlich erreichen wir die Quelle der Breg, dem längsten und damit wichtigsten Zufluss der Donau. Ganz harmlos und freundlich plätschert sie unter einem Stein hervor. Erst die in der Nähe angebrachten Metalltafeln geben dem Ambiente einen respektablen Rahmen.

In den folgenden Tagen werden wir die Quelle immer wieder besuchen, Wasser in Trinkflaschen abfüllen („Ihhh, ein Flusskrebs!“) und anderen Besuchern im Foto herumstehen. Unsere Erklärungen über die Relevanz der Donau, die als zweitgrößter Strom Europas vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer fließt und dabei zehn Länder durchquert, bleiben für die Kinder recht abstrakt. Den Fluss kennen sie ja noch nicht - seine Quelle finden sie aber super. Praktisch, dass wir nur wenige Meter hügelanwärts wohnen, im kinderfreundlichen Gasthaus Kolmenhof. Während die anderen Donau-Fans nach einer Forelle Blau oder einer Schwarzwälder Kirschtorte weiterziehen müssen, bleiben wir ein paar Tage und starten von hier aus unsere ersten kleinen Wanderungen. So finden wir, nichtsahnend, was sich hinter dem harmlosen Namen „Günterfelsen“ verbirgt, mitten im Wald eine Landschaft vor, die als Kulisse für jeden Fantasy-Film dienen könnte. Enorme, abgerundete und von quietschgrünem Moos überzogene Granitfelsen stapeln sich da übereinander, ein Gebilde wie von Riesenhand geschaffen. Dass die Kinder sofort zu klettern beginnen, gestatten wir mit klopfendem Herzen, schließlich klafft da so mancher Abgrund – und auch wenn die Steine seit der Eiszeit so dastehen, sehen sie aus, als würden sie jeden Moment losrollen. Die Kinder sind so begeistert von diesem verwunschenen Ort, dass wir am nächsten Tag gleich nochmal herkommen müssen. Diesmal allerdings als Zwischenstop Richtung Brendturm, der uns auf einer Höhe von über 1100 Metern eine grandiose Sicht auf die schwäbische Alb, die Vogesen und die Schweizer Alpen beschert. Das Wandern mit selbst geschnitzten Stöcken, vorbei an duftenden Blumenwiesen, gekreuzigten Jesussen und vertrockneten Fröschen gelingt mit den großen Kindern erstaunlich gut – etwas umständlicher verhält es sich mit der Kleinen. Sie läuft meist in die falsche Richtung, auch hält sie bei jeder Ameise an – ein naturkundliches Interesse, das wir einerseits fördern wollen, das uns aber auch daran hindern würde, vor Mitternacht im Hotel zu sein. Zum Glück wachsen am Wegesrand kulinarische Lockmittel: Walderdbeeren, Blaubeeren und Himbeeren sind dem Kind jeweils Anreiz, ein paar Schritte in die richtige Richtung zu tun.

Die Quelle im Blick

Auf unserer Reise darf Donaueschingen nicht fehlen. Also besuchen wir die kunstvoll gefasste Donauquelle im Schlosspark. Wie eine Karstaufstoßquelle funktioniert, interessiert die Kinder relativ wenig. Ihr Augenmerk gilt eher dem hübschen Brunnen mit den vielen Euro-Münzen darin, dem italienischen Brautpaar, das von gleich vier Fotografen in Szene gesetzt wird, und dem grüngekleideten älteren Herrn, der in passenden moosgrünen Wildlederslippern hinter dem Palastzaun entlangschlendert – ob das vielleicht ein echter Fürst ist? Nach einem längeren Spaziergang durch den Schlosspark sehen wir den Fluss endlich mit eigenen Augen: Drüben, wo Breg und Brigach zusammenfließen und gerade der braunzottelige Hund ins Wasser springt, genau da beginnt die Donau! Kaum hat sie richtig losgelegt, verschwindet sie allerdings schon wieder. Ein Besuch in Immendingen führt uns das seltsame Phänomen der Donauversickerung plastisch vor Augen. Wanderten wir eben noch an einem ganz normalen Fluss vorbei, hören wir plötzlich gurgelnde Geräusche und sehen Strudel wie in einer gigantischen Badewanne. Dann plötzlich ist der Fluß ganz weg, das Wasser in die vielen Höhlen und Gänge abgesickert, die diese Landschaft durchziehen. Wir kraxeln im trockenen Flussbett herum, sammeln Fossilien und wundern uns, was die Natur für verrückte Einfälle hat. 

Von Mönchen und Landjägern

Die letzten Tage verbringen wir im Durchbruchstal der Oberen Donau bei Fridingen und Beuron. In Jahrtausenden hat die Donau hier einen Canyon in die Landschaft gegraben. Das Ergebnis ist von betörender Schönheit. Steil erheben sich die Felsen zu beiden Ufern. So schwungvoll gehen die Wanderwege in der Umgebung rauf und runter, dass die Marketingstrategen sie passenderweise „DonauWellen“ genannt haben. In der Naturbühne in Fridingen haben wir besonderen Spaß: Wir tanzen und springen über die in den Stein gehämmerte Bühne und sind uns auch ohne Theateraufführung selbst Schauspieler genug. Der Weg weiter hoch zum Knopfmacherfelsen (wir nennen ihn aus Versehen zunächst „Krachmacherfelsen“) ist beschwerlich, beschert uns aber einen aufregenden Blick ins Tal – weit hinunter bis nach Beuron, einem kleinen Ort, den wir anderntags als letzte Station auf unserer Reise besuchen. Im direkt am Bahnhof gelegenen „Haus der Natur“ lernen wir, dass die ganze Gegend einst von einem warmen Meer überschwemmt war und dass die Felsen versteinerte Schwämme darstellen. Der Ort Beuron wird von seinem riesigen Kloster dominiert, selbst eine klösterliche Metzgerei gibt es. Bei den Kindern sorgt das zunächst für Verstimmung (sie finden, Mönche sollten keine Tiere töten), dann aber schnell für Ruhe (als sie im Kirchhof zufrieden ihre Landjäger kauen). Zum Schluss wählen wir einen einfachen Weg entlang der Donau. Lauschig und blätterverhangen ist es hier. Wir treffen keine Menschenseele und durchqueren zwei in den Stein gehauene Fußgängertunnel. Minzstängel, Rucola, Schmetterlinge und Schnecken säumen den Weg. Oben am Felsen steht ein großes Kreuz. Wir sind im allerbesten Familienflow und die Kinder finden: „Das ist die schönste Wanderung überhaupt!“

Judith Hyams, 2016

Baden-Württemberg mit Kindern

Schnell zum richtigen Ziel: Das Qualitätssiegel „familien-ferien Baden-Württemberg“ hilft dabei, kinderfreundliche Unterkünfte, Ferienregionen und Erlebnispartner ganz einfach zu finden. www.familien-ferien.de  

Zertifiziert als familien-ferien-Unterkunft ist beispielsweise das Höhengasthaus Kolmenhof, das Kinder nicht nur bei der Zusammenstellung der Speisekarte, sondern auch bei der Preisgestaltung, bei der Ausstattung aller Räumlichkeiten und beim Freizeitangebot in und ums Haus berücksichtigt.


Ferienregion Donaubergland: www.donaubergland.de

Naturpark Obere Donau: www.naturpark-obere-donau.de